ausbiegt und, erstaunlich, vom obern Öffnen sich zurückbiegt 
zur Mitte. Dem unendlich langsamen Mineralischen der Kri- 
stallinen Form steht hier das Organische gegenüber, das in 
kürzern Zeitspannen sich bildet und ausbildet und zu einem 
Stadium gedeiht, welches nie — auch wenn es als solches fast 
zufállig endet — fertig ist, sondern nach Knollen und Knoten 
neue Aspekte verheisst. Solche Arbeiten eines Kórper bilden- 
den Künstlers sind bei aller Vollendung in sich doch stets wie 
Wegmarken von eigenen seelischen Entwicklungen und rei- 
fenden formalen Prozessen auf neue Gestaltungen hin. Denn 
in der Kunst ist nie ein Ziel oder Abschluss, sondern Weiter- 
gehen auf einem Weg zu stets neu zu Realisierendem. 
Nochmals bezeichnend für Formforschen und Werken Malins 
ist es, dass im gleichen Jahre 1977 eine kleine polierte Bron- 
zeplastik entsteht, die er Fontáne nennt (76). Zum Minerali- 
schen und zum Organischen kommt damit das Elementare 
des Fliessens, das im Steigen sich verausgibt und oben sich 
biegend wieder zum Ursprung zurück will. Es ist nicht so, dass 
Malin eine Fontàne ausbilden wollte; er arbeitete an sich mit 
steigenden Formen, polygon profilierten Stäben, die er — in 
der Intention auf ein Bronzestück hin — in Gips schnitt, dabei 
ihrer Kórperwerdung nachspürte, um zu begreifen, wortwórt- 
lich, was aus der Masse werden wollte. Lebendiges Steigen 
ergab sich. Wir wissen ja vom Schaffen vieler Künstler — und 
Paul Klee ist nur einer der Gróssten unter ihnen —, dass am 
Anfang eines Prozesses sie nicht sagen können, was am Ende 
daraus wird, und dass sie erst in der Endphase wahrnehmen 
und benennen können, was sich unter den werkenden Hän- 
den ausformte. Ein immer mehr bestimmender Grundklang 
ist von Anfang an hörbar, leise und dann Fülle gewinnend; 
Störendes wird eliminiert und Förderndes selbst gefördert, 
so dass sich dann ein Gebilde auskristallisiert, das den 
Grundklang zum vollen Tönen bringt; Assoziationen werden 
geweckt, die einen Namen am Schluss erfordern mögen: 
«Fontane». 
Dem steigenden Fliessen antwortet der tektonische Stand; 
das Thema der «Stele» wird mehrfach recherchiert, auch im 
Zusammenhang mit dem Grossauftrag einer Stele für Ziegel- 
101 
 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.