Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
11
Erscheinungsjahr:
1985
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000015285/84/
2.3 Bleibt noch die Frage, ob es vertretbar wäre, 
unter den gegebenen Umständen einen einmaligen Entsendungsakt mit dem Auftrag, «sich jährlich eine vom Landesfürsten zu bestimmende Zeit im Lande auf­ zuhalten», zu setzen. Das wäre vom Standpunkt der Anwendung der Norm und ihrer Auslegung unter den gegebenen Verhältnissen viel­ leicht deshalb sinnvoll, weil der Regierende Fürst seit mehr als 40 Jahren ständig im Lande residiert und gleiches auch von dem in Aus­ sicht genommenen Stellvertreter gilt. Dazu kommt noch, dass offenbar im Zusammenhang mit dem In­ krafttreten der Verfassung und unmittelbar danach angeordnete Be­ stellungen niemals jährlich wiederholt worden sind, wiewohl die Abwesenheit des Landesfürsten vom Lande regelmässig weit über ein Jahr gedauert hat. Dem ist entgegenzuhalten, dass eine Usualinter- pretation keine rechtserzeugende Kraft hat, wenn insbesondere Wort­ laut und logisch-systematische Auslegung eine solche Interpretation nicht gestatten. 2.4 Wenn Art. 13 (2) der Verfassung davon spricht, dass der Landes­ fürst einen Agnaten in das Land entsenden wird, so war diese Formu­ lierung seinerzeit deshalb bedeutsam, weil unmittelbar nach Inkraft­ treten der Verfassung 1921 der Fürst den Entsendungsakt regelmässig vom Ausland setzte und einen nicht im Lande weilenden Agnaten in das Land sandte. 
So besehen könnte es überhaupt zweifelhaft sein, ob unter den zur Zeit gegebenen Verhältnissen die Norm überhaupt anwendbar wäre, weil ja der Landesfürst seinen ständigen Wohnsitz im Lande hat und dies auch für den präsumtiven Stellvertreter gilt. Soll die Bestimmung eine Bedeutung für die gegenwärtigen Verhält­ nisse haben, müsste erst eine Situation herbeigeführt werden, wie sie bis zur Verfassung 1921 bestand. Der Fürst müsste sich erst in das Ausland begeben und von dort ein Mitglied der Familie in das Land entsenden. Allerdings verbietet der Wortlaut der Verfassungsbestim­ mung, sie dann anzuwenden, wenn keine längere Abwesenheit gegeben ist und der Regierende Fürst weiterhin seinen Wohnsitz im Lande hat (vgl. unter 2.5 und 3.). 2.5 Die Bestimmung in dem Sinne lesen zu wollen, dass sie auch den Fall miteinschliesst, dass der Landesfürst im Lande bleibt und der zu 87
        

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