Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
11
Erscheinungsjahr:
1985
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000015285/83/
Wesenheit anordnet mit dem Auftrag an den präsumtiven Stellver­ treter, sich alljährlich für eine gewisse Zeit im Lande aufzuhalten, hätte er dies grammatikalisch anders zum Ausdruck bringen müssen, etwa so: «Der Landesfürst wird bei längerer Abwesenheit vom Lande einen Prinzen seines Hauses in das Land entsenden. Dieser hat sich all­ jährlich durch eine gewisse Zeit, die vom Landesfürsten bestimmt wird, im Lande aufzuhalten. Gleiches gilt für eine fallweise Ent­ sendung.» 2.1 Eine sprachlich etymologische Auslegung des Begriffes «jährlich» zeigt, dass darunter soviel wie «in jedem Jahr»,38 «jedes Jahr wieder­ kehrend», «regelmässig jedes Jahr wiederkehrend», «jedes Jahr sich wiederholend», «im Abstand von jeweils einem Jahr»39 verstanden wird. 2.2 Freilich könnte dieser so gewonnenen Auslegung entgegengehal­ ten werden, das Adverb «jährlich» habe ausschliesslich eine Beziehung zu dem Ausdruck «auf eine gewisse Zeit», um den Zeitraum «jähr­ lich» näher abzugrenzen, so zwar, dass diese «gewisse Zeit» in «jedem Jahr» liegen müsse. Abgesehen davon, dass dem die Wortinterpretation entgegenstehen dürfte, bleibt die Tatsache bestehen, dass die Prädikate «entsenden» und «betrauen» durch die Beziehung zum Ausdruck «jährlich auf eine gewisse Zeit» eine wiederholte Entsendung in jedem Jahr ent­ sprechend der gewonnenen sprachlichen Auslegung erfordern. Auf die Auslegung des Art. 13 (2) der Verfassung im Sinne des Grund­ satzes der Auslegung im Zeitpunkt der jeweiligen Anwendung der Norm wird im folgenden noch einzugehen sein (vgl. 2.3 und 2.4). 38 Vgl. Grosser Duden, Bedeutungswörterbuch, Bd. 10, Mannheim-Wien-Zürich 1970, 355; Deutsches Wörterbuch von Schwarz, Bd. 3, 1963, 194; Klappen- bach-Steinzer, Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache, Berlin 1967, 3. Bd., 1989. 38 Vgl. dazu Brockhaus-Wahrig, Deutsches Wörterbuch, 3. Bd., Wiesbaden-Stutt­ gart 1981, 808; Wahrig, Das grosse deutsche Wörterbuch, Gütersloh 1966, Spalte 1921/22. 86
        

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