Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
11
Erscheinungsjahr:
1985
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000015285/15/
Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal liegt im Willenselement: Bei der Regentschaft geht der Regierungswille auf den Regenten über, bei der Regierungsstellvertretung verbleibt der Wille beim Monar­ chen.3 Die meiste Literatur zum Thema stammt, soweit es die konstitutio­ nelle Zeit betrifft, aus der 2. Hälfte des 19., zu einem geringeren Teil noch aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Mit dem Untergang der meisten deutschen Monarchien fand das Thema in Lehre und For­ schung keine Beachtung mehr. Es sollen im folgenden die Rechts­ anschauung und die Praxis der erwähnten Epoche kurz dargestellt werden. A. Die Regentschaft I. Historische Vorbemerkungen Nach älterem germanischem Recht wurde der körperlich oder geistig Regierungsunfähige von der Sukzession ausgeschlossen.4 Auch gegen die Herrschaft Unmündiger bestand eine grosse Abneigung,5 doch wurde diese schon zur Zeit der Merowinger häufiger zugelassen.6 Allerdings war im Mittelalter die Regentschaft verfassungsmässig nicht geregelt und stand meist in Verbindung mit der Vormundschaft.7 Bei Lehen standen zwar während der Zeit der Unmündigkeit des Lehnserben dem Lehnsherrn Nutzung und Verwaltung zu (sog. Ange­ fälle), also eine Art «Regierungsvormundschaft» hinsichtlich der Lehen (quoad feudum). Das Angefälle verlor sich jedoch und der Allodial- vormund wurde auch für die Lehen zuständig, also auch «Regierungs­ vormund». Dies bedeutete, dass der Vormund (meist der nächste männliche Verwandte) sich nicht mehr nur um die Person des Mün­ dels, sondern auch um die Ausübung der Herrschaftsrechte über Land 3 v. Kirchenheim, 58. 4 Dieckmann, 3. 6 v. Kirchenheim, 16. 8 Stange, 10. 7 Conrad I, 225. 16
        

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