zwischen späteren politisch aktiven Führungs- 
kräften — wie etwa Wilhelm Beck — und politisch 
interessierten Arbeitern dürfte in ihren An- 
fángen, vor dem Ersten Weltkrieg, in der 
Schweiz entstanden sein. Zu bemerken ist auch, 
dass ein betrachtlicher Anteil der Arbeiter poli- 
tisch aktiv war und sich für die Belange der 
Arbeiterschaft einsetzte. 
Die politische Nähe eines Teiles der Arbeiter- 
schaft zur schweizerischen Sozialdemokratie 
führte allerdings auch zu Spannungen zwischen 
ihr und der katholischen Kirche im Lande. Die 
Kirche und die politisch konservativen Kräfte 
befürchteten ein Abdriften der Arbeiterschaft in 
das radikale linke Lager. Mit Ausschlussandro- 
hungen und Verboten versuchte die katholische 
Kirche ihren Einfluss aufrechtzuerhalten. Auch 
durch Gründungen von christlichsozial ausge- 
richteten Arbeiterorganisationen sollte in Liech- 
tenstein der Abwanderung der Arbeiter in poli- 
tisch radikalisierte Gruppierungen entgegenge- 
wirkt werden. Die Bestrebungen der Geistlichen 
in Liechtenstein prallten jedoch am Wider- 
spruchsgeist der Arbeiterschaft, der sich auch 
in der politischen Aktivität äusserte, ab. Der 
Kampf wurde auch nicht voll durchgezogen, 
weil die liechtensteinischen Arbeiter in ihrer 
Mehrheit eben nicht proletarisiert waren und 
auch nicht linksradikalen Ideologien zuneigten. 
Die Anstösse zu gewerkschaftlichen Zusam- 
menschlüssen kamen in Liechtenstein nicht von 
den Industriearbeitern, sondern von den Bau- 
handwerkern. Diese waren durch ihre Ausland- 
tátigkeit - vorwiegend in der Schweiz - eben 
stárker von klassenkàmpferischen Ideen beein- 
flusst. 
Eine gróssere Einflussmóoglichkeit ergab sich 
für die Kirche bei dem klar katholisch ausgerich- 
teten und von der Geistlichkeit geführten Arbei- 
terinnenverein, der aber in seiner Auswirkung 
ohne grosses Echo blieb. 
Der Arbeiterverband und die Volkspartei fan- 
den ein gemeinsames Interesse auch in der Ziel- 
setzung eines Zollanschlusses an die Schweiz. 
Erhofften sich die Arbeiter vorwiegend ver- 
besserte Arbeits- und Verdienstmôglichkeiten 
von einem solchen Wirtschaftsanschluss, so 
war für die politisch Interessierten auch die 
Ubernahme von direktdemokratischen Rechten 
ein wichtiger Zielpunkt. 
Eine weitere Übereinstimmung war zu finden 
in einer national ausgerichteten Grundhaltung. 
Die Arbeiter forderten Schutz vor fremden Ar- 
beitskräften im Lande selbst, waren aber ande- 
rerseits darauf bedacht, im Ausland so weit wie 
möglich Gleichstellung mit den dortigen Staats- 
bürgern zu erfahren. Die innenpolitische Aus- 
richtung auf das Motto «Liechtenstein den 
Liechtensteinern» war auch die Devise der 
Volkspartei, ausgedrückt etwa in den Forderun- 
gen nach einer mit Liechtensteinern besetzten 
Regierung. 
Einmal mehr hatte sich gezeigt, dass der 
Kleinstaat Liechtenstein mit einer existenziellen 
Auslandabhängigkeit leben musste. Nur dank 
dem wohlwollenden Entgegenkommen der 
grösseren Staaten konnten für Liechtenstein die 
wirtschaftlichen Probleme gelöst werden. Die Ur- 
sachen für die Gründung der liechtensteinischen 
Arbeiterorganisationen sind vorwiegend darin zu 
 
        

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