schen Kräften unterstützt wurden, eine christ- 
lich-soziale Gegenorganisation zu gründen, 
kann auf zwei wesentliche Ursachen zurückge- 
führt werden. Einerseits war die liechtensteini- 
sche Arbeiterschaft zahlenmässig zu klein, als 
dass zwei sich bekämpfende Bewegungen hät- 
ten sinnvolle Arbeit leisten können. Andererseits 
war es offensichtlich, dass in Liechtenstein we- 
der sozialistische noch bolschewistische Ideolo- 
gien auf fruchtbaren Boden fallen konnten. Die 
Annäherung an den schweizerischen Gewerk- 
schaftsbund, welcher der Sozialdemokratie na- 
hestand, war bei der Mehrheit der Arbeiter eher 
eine pragmatische Entscheidung als ein ideolo- 
gisch bedingter Schritt aus Überzeugung. Zu- 
sätzlich ist zu berücksichtigen, dass die ideologi- 
sche Abtrennung der schweizerischen Sozial- 
demokratie von der moskautreuen Linie ab 1921 
dazu beigetragen hat, den von ihr ausgehenden 
Bedrohungsfaktor nicht mehr als allzu akut zu 
interpretieren. 
Zusammenfassender Rückblick 
Wir können abschliessend festhalten, dass 
die Entwicklung der gewerkschaftlichen Zusam- 
menschlüsse in Liechtenstein ähnlich wie die 
Entstehung der politischen Parteien Spätge- 
burten waren. Der Schweizerische Gewerk- 
schaftsbund war bereits im Jahr 1880 gegründet 
worden, andere Verbände, wie der christlich-na- 
tionale Gewerkschaftsbund der Schweiz, ent- 
standen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Erst in- 
folge der durch den Ersten Weltkrieg bedingten 
grundsätzlichen Veränderungen wurde die Ar- 
beiterfrage in Liechtenstein akut. Die schweren 
wirtschaftlichen Einbrüche riefen vehemente 
Reaktionen hervor, die nach Abhilfe und nach 
Revisionen verlangten. Die am Ende des Welt- 
krieges entstandene oppositionelle christlich-so- 
ziale Volkspartei nutzte die allgemeine Stim- 
mung der Unzufriedenheit im Lande für ihre 
Zwecke aus. Sie machte sich zum Anwalt des 
«kleinen Mannes» und trat energisch für soziale 
Veränderungen ein. Zudem verlangte sie ent- 
schlossen eine demokratischere Verfassung mit 
mehr Volksrechten. Dies brachte der Volkspartei 
die Sympathien eines Grossteils der Arbeiter- 
schaft ein und ermöglichte ihr letztlich den Sieg 
in den Landtagswahlen von 1922. 
Es ist offensichtlich, dass eine ideelle, z.T. - 
auch eine personelle Verbindung zwischen der 
Führung des Arbeiterverbandes und jener der 
Volkspartei bestand. Regelmässig erhob der Ar- 
beiterverband in seinen Resolutionen und Stel- 
lungnahmen der Jahre 1920/1921 auch die For- 
derung nach einer Verfassungsrevision. Gegen- 
gleich nahm dafür die Volkspartei in ihr Pro- 
gramm auch den Ruf nach Verbesserung der so- 
zialen Lage der Arbeiter auf. 
Es ist davon auszugehen, dass viele Arbeiter, 
die sich in der Schweiz aufhielten, das Gedan- 
kengut der Sozialdemokratie und der Arbeiter- 
vereinigungen kennenlernten und teilweise da- 
von auch in ihrem Denken beeinflusst wurden. 
Dies zeigt sich deutlich etwa in Stellungnahmen 
verschiedener Liechtensteiner Vereine in der 
Schweiz, vorwiegend derjenigen von St.Gallen 
und Zürich, zu aktuellen politischen, sozialen 
und wirtschaftlichen Fragen. Die Beziehungen
        

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