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Hülfe nicht, wohl wissend, daß Macht und Einfluß des Bischofs 
dem herzoglichen Interesse widersprachen, und um so weniger, als 
sich auch die Bürger an den Herzog von Trient gewendet hatten, 
um sie gegen den Bischof zu schützen. Da ihm also die Hülfe 
des Herzogs mehr wie eine Vermittlung oder gar wie ein 
Schiedsgericht erschien, so wich er der Zusammenkunft mit Frie 
drich Anfangs aus, sich mit den Osterfesten entschuldigend. Nach 
Ostern aber fand er sich allerdings in Bozen ein, wohin auch 
Bürger von Trient gekommen waren; er schlug aber in der 
Unterredung die Hülfe des Herzogs aus, der sich ja seiner eige 
nen Feinde, der Appenzeller, nicht erwehren könne. So schied 
man ohne allen Erfolg von einander, der Bischof nach Trient, 
der Herzog nach seinem Schlosse Tirol. 
Bischof Georg gedachte aber nicht sich bei dem ihm abge 
zwungenen Vergleiche zu beruhigen. Da er den Herzog hinlänglich 
mit sich selbst beschäftigt wähnte, glaubte er sich auf italienische 
Hülfe stützen und mit ihr die Trientiner bezwingen zu können. 
Er nahm einen italienischen Bandenführer, wie die damaligen 
Zeitverhältnisse solche Micthhanptleute geschaffen hatte, den Otto 
bon de Torciis in Sold. Dieser begab sich mit 6000 Mann 
zu Fuß und 1000 Lanzen ans den Weg nach Trient. Als die 
Bürger davon hörten, geriethen sie in großen Schrecken, jedoch 
kamen sie der drohenden Gefahr durch List zuvor. Sie luden 
mit den freundlichsten Worten den Bischof ein von seinem festen 
Schloß in die Stadt herabzukommen und in der Kirche St. Vigil 
mit ihren Vorstehern zu verhandeln. Georg kam auch, nichts 
Arges ahnend; in der Kirche aber fand er die ganze Bürger 
schaft versammelt, die ihm die drohende Ankunft der italie 
nischen Söldner vorwarf und die Uebergabe seines Schlosses 
del buon Consiglio von ihm verlangte. Als er sich dessen 
weigerte, wurde er zum Gefangenen gemacht und in einen festen 
Thurm gebracht. Zugleich erhob sich der Pöbel, zerstörte die 
Güter des Bischofs, deren er habhaft werden konnte und 
mordete einige'seiner Günstlinge. Georg aber blieb selbst stand- 
Falke. Liechtenstein. 28
        

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