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Nachdem die Herren 26 Wochen im Gefängniß, und 
nicht ohne die Furcht in Lebensgefahr gewesen zu sein, ge 
schmachtet hatten, erledigte der König sie endlich ihrer Bande 
und ließ sie wieder zu sich rufen. Sie erschienen alle in Sorgen 
mit langen Bärten, nur Ulrich von Liechtenstein hatte seinen 
fröhlichen Sinn nicht verloren; er hatte den Bart geschoren 
und neue Kleider angelegt. Der König verlangte zunächst von 
ihnen Versöhnung mit dem Pettauer; das verweigerten sie und 
Graf Heinrich von Pfannberg verlangte statt dessen den Zwei 
kampf mit ihm. Ottokar aber drohte sie nicht eher entlassen 
zu wollen, als bis die Versöhnung geschehen sei, und so ver 
standen sie sich denn dazu. Sodann versöhnte er sich selber mit 
ihnen, d. h. er entließ sie mit den Versicherungen seiner Gnade 
und versprach ihnen alles Verlorne zu ersetzen, falls sie sich 
seinem Willen in Treue fügten. Ulrich erhielt auch wirklich 
die zerstörten Schlösser Murau und Liechtenstein wieder zurück; 
ersteres wurde auch wieder aufgebaut, doch scheint das letztere, 
wohl das kleinste, einstweilen in Ruinen geblieben zu sein. 
Daß die Versöhnung mit Ottokar nur eine erzwungene war, 
ist selbstverständlich, denn das erlittene Unrecht ließ sich nicht 
so leicht vergessen, und Ottokar sollte das erfahren, als auch 
für ihn die Stunde der Prüfung schlug. 
Es sollte nicht lange dauern, bis die Ereignisse dein 
Könige Ottokar wieder die Gelegenheit verschafften, sich der 
Dienste der steirischen Herren, insbesondere Ulrichs von Liech 
tenstein, zu erinnern. Zunächst treffen wir Ulrich noch im 
Juni 1269 zu Znaim als Zeugen in Ottokars Bestätigung 
der Freiheiten der Benedictiner zu Gleink H. Bütte August ist 
er zu Graz bei Bischof Bruno, der als Landeshauptmann 
dort zu Gericht saß 2). Am 1. Februar 1270 war Ulrich ein 
Zeuge für König Ottokar zu Wien, als derselbe eine Entschei- 
tz Hormayr a. a. O. 41. 
2 ) Muchar, V. 333; Lorenz deutsche Geschichte I. 462.
        

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