227 
Ihre Majestät die Kaiserin wollen mir erlauben Euch die 
angenehme Nachricht zu geben, daß sic Eurem Bruder Karl das 
goldene Vließ, dem Fürsten Johannes aber das Regiment Eures 
Onkels habe zugedacht; für Euch, mein Fürst, bleibet mir nichts 
mehr übrig als Euch meine Achtung und Freundschaft anzutragen, 
welche Euer Charakter schon lange verdient hat. Lebet wohl. Wenn 
die Souveräne alle Tage von dergleichen Zügen der Erkenntlichkeit 
könnten gerühret werden und man seinen Gesinnungen den Lauf 
lassen könnte, so wäre es keine Bürde; aber die Pflichten sind 
so selten in Uebereinstimmung mit unseren Gesinnungen, daß 
ungeachtet des guten Augenblicks ich doch noch davon die 
Last empfinde. Bezeiget meine Ehrerbietung, ich bitte Euch, 
der Fürstin, Eurer Schwägerin und der Frau von Wallerstein. 
Ich will hoffen, daß ihre Gesundheit nicht darunter leiden 
werde, so ihr gutes Herz sie möchte empfinden machen, welches 
alle besorgen, so ihren angenehmen Umgang lieben. Glaubet 
mich allzeit Joseph."') 
Wie wahr und aufrichtig die Gesinnungen der Freund 
schaft der Kaiserin für den Fürsten Wenzel waren, daß das 
jenige, was sie dem Fürsten Franz schrieb, nicht offiziell ge 
schrieben war, darüber haben wir das schönste Zeugniß in einem 
gleichzeitigen Briefe an ihren Sohn den Erzherzog Ferdinand 2 ). 
Sie schreibt in demselben (13. Februar 1772): „Sie werden 
mein Compliment den Khevenhüllers machen wegen des Todes 
meines alten guten Freundes, des Fürsten Wenzel; die Kheven- 
hüller 3) wird daran sehr betroffen sein. Ich bin cs sehr, denn 
es ist einer von den Menschen, deren man nicht mehr findet. 
Ich war bei seiner Kirchenfeier diesen Morgen in St. Michael; 
die ganze Kirche war voll. Die ganze Artillerie bildete die Ehren 
garde. Ich habe viele Leute weinen sehen, was sehr chrenwerth 
st Rach der ungenügenden Übersetzung in Walbergs Osnsalogäa; 
die Originale scheinen verloren zu sein. 
st Arneth, Briefe der Kaiserin Maria Theresia I. 102. 
3 ) Schwester des Fürsten Franz Liechtenstein. 
15*
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.