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Beschäftigung und Aufträge. Er war uncrmüdet der Armee 
zu geben, Nothlcidcndcn zu helfen, das Loos der Bedrängten zu 
bessern. Vielen Wittwen zahlte er Jahresgehalte und den Waisen 
gründete er zu Feldsberg ein Waisenhaus, in welchem zwanzig 
arme Knaben unterhalten, ernährt und unterrichtet wurden. 
Aus seinem späteren Leben sei nur noch einer vielgenannten 
Begebenheit gedacht, die wohl mit Unrecht bezweifelt worden ist, 
jener Begebenheit mit Kaiser Joseph nämlich, welcher, im Jahre 
1769 auf der Reise von Olmütz nach Wien die Liechtensteinische 
Herrschaft Posoritz passirend, dort einem pflügenden Bauer den 
Pflug abnahm und selber durch den Acker lenkte. Zum An 
denken dessen errichtete der Fürst Wenzel noch in demselben Jahre 
an jener Stelle ein Denkmal mit der Inschrift: „Dein Andenken 
Josephs II. Römischen Kaysers, der im Jahr 1769 den 19. des 
August Monats zur Ermunterung des Fleißes und Verherr 
lichung der nützlichsten aller Künsten mit eigener Hand den 
Pflug durch dieses ganze Joch Ackers lenckte. Mit Einverständ- 
niß der Ständen von Mähren geweiht von Joseph Wenzel 
Fürsten von Liechtenstein" '). 
Am 10. Februar 1772 verschied der Fürst Wenzel im 
76. Jahre seines Alters. Seine Leiche wurde drei Tage öffent 
lich ausgestellt, dann nach Wranau überbracht und in der 
Familiengruft beigesetzt. Das Vaterland, so hieß es damals, 
verlor in ihm „einen Menschenfreund, einen klugen Staats 
mann und einen seltenen Bürger, die Armen, Wittwen und 
Waisen sammt allen seinen Dienern einen barmherzigen und 
mitleidigen Vater, die Wissenschaften aber und freien Künste 
einen großen Beförderer." Er war, fügen wir hinzu, nicht bloß 
ein wahrer Fürst, sondern ein ächter und edler Mensch im er 
leuchteten Geiste des achtzehnten Jahrhunderts. 
Die Kaiserin Maria Theresia ehrte sein Andenken durch 
eine Medaille, die sic nach seinem Tode auf ihn prägen ließ. 
i) Walberg, Genealogia, 
galle, Liechtenstein. HI. Bd. 
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