Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/93/
preussischen Dualismus an Lebendigkeit gewonnen gegenüber der Zeit des Einvernehmens unter Metternichs Regie135. Die liechtenstei­ nische Position war jedoch durch die Abhängigkeit der Souveränität von der Existenz des Bundes und vom Einvernehmen mit Österreich gekennzeichnet. Das letztere wurde seit dem Neoabsolutismus durch die Person Lindes sichergestellt, der gleichzeitig der österreichischen Bundesgesandtschaft angehörte und von beiden Staaten bezahlt war. Linde, der sich einst wegen seiner katholischen Konfession benach­ teiligt gefühlt hatte, war ein entschiedener Gegner Preussens und zog sich so Zorn und Abneigung des Berliner Bundestagsgesandten Bis­ marck zu. Bismarck versagte ihm jedoch als einem «gewandten und scharfsinnigen Dialektiker» die Achtung nicht136. Der Reichsstädter Holzhausen verfolgte eine ähnliche Linie. Im Ringen um die Stim­ men der 16. Kurie vermochte sich Linde gegenüber den preussischen Parteigängern und den Lockungen Bismarcks durchzusetzen, so dass sie gleichsam zu einer österreichischen Hilfstruppe wurde. Allerdings befürwortete Fürst Alois II. eine Friedenspolitik und war für einen Ausgleich unter den deutschen Grossmächten. Er wider­ strebte der taktischen Volte Österreichs, das im Krimkrieg die anti­ revolutionäre Solidarität der konservativen Ostmächte verliess137, und sympathisierte mit einem Zusammengehen von Preussen und Österreich; deutlich aber zeigte sich der geringe Spielraum darin, dass der liechtensteinische Gesandte Holzhausen in diesen Fragen in der 16. Kurie strikt dem österreichischen Standpunkt folgte. Noch 1849 war ein liechtensteinisches Kontingent ausgerückt, hier gegen die badische Revolution138. Nun suchte der Fürst in der Mili­ tärfrage angesichts ihrer enormen Kosten und ihrer Unpopularität im Lande einen Ausgleich zwischen Bundestreue und praktischer Minimalisierung herbeizuführen, die manchmal merkwürdige Folgen zeitigte. Sogar das alte Projekt einer Wahrung der liechtensteinischen Pflichten durch einen anderen Bundesstaat gegen Geldentschädigung lebte wieder auf. Dieser neue Soldatenhandel Lindes scheiterte am 13SKraehe, History of the German Confederation. — Meyer, Bismarcks Kampf. 136 Zit. nach Geiger, Geschichte, S. 347. 137 Die antirussische Politik Österreichs im Gefolge der Westmächte führte nicht nur zu einem Dilemma der Wiener Politik, sondern sie widersprach auch der traditionell aristokratischen Struktur des Wiener Hofes — die Distanz des Fürsten von Liechtenstein ist somit keine Besonderheit. 138 Geiger, Geschichte, S. 165—168. 97
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.