Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/86/
erwies sich als entscheidend für die bislang nie gelungene finanzielle Sicherstellung, da sie ein stabilisierendes Element bei allen Budgets war. Auf der anderen Seite wurden Belastungen beseitigt und erste Industrialisierungsversuche begünstigt. Überdies konnte man nun die drückenden Bundeslasten, eine unbequeme Nebenfolge der Souverä­ nität, viel leichter bewältigen. Der Vertrag war weder durch den Landrat noch durch das alte Ständeparlament gebilligt worden: der Fürst argumentierte aus einer europäischen Tradition heraus, dass es sich hier um Hoheitsrechte handelte, die ständischer Zustimmung nicht bedurften. Der Vertrag war nicht einmal in Kenntnis des Landesver­ wesers geschlossen worden — für etwaigen Widerstand im Fürsten­ tum stand sogar k. k. Militär bereit. Der Landesvikar sollte für Propaganda von der Kanzel sorgen114. Das liechtensteinische Volk jedoch akzeptierte den Vertrag zunächst gern, aber bald setzte die Einzelkritik ein — sei es an den Getränkesteuern, sei es an einer Zusatzabgabe für den italienischen Krieg 1859. Die liechtensteinische «Neue Ära» Der liechtensteinische Neoabsolutismus — unverkennbarer Spröss- ling des österreichischen — dauerte bis 1857 an, allerdings auch mit Unstimmigkeiten zwischen Wien und Vaduz. Nicht einmal der Ständelandtag von 1818 wurde einberufen, die Feudalabgaben, der Zehent blieben. Alles wurde obrigkeitlich geregelt. Allmählich stockte man auch die Landesverwaltung wieder auf, namentlich die Polizei, ein weiterer Schritt zu verstärkter staatlicher Durchdringung115. Aber 1856 kam es zu einer Petition der Gemeinden, als weder der Ständelandtag noch der postrevolutionäre Landtag einberufen wurde. Menzinger unterstützte sie, wollte aber einem künftigen Landrat nur beratende Funktionen zubilligen. 1857 berief dann der Fürst um einer Steuer willen den alten Ständelandtag wieder ein und ging damit den österreichischen Entwicklungen doch um einen Schritt vor­ aus — dies aber gab den Liechtensteinern eine Plattform, ihre Ver­ fassungsforderungen vorzutragen, die — dies wurde immer deutlicher — Voraussetzung aller anderen Erneuerungen waren: im schulischen, kirchlichen, gemeindlichen Bereich. 114 Darin wird die noch immer sehr bedeutende Rolle des Klerus deutlich. 116 Geiger, Geschichte, S. 216—247. 90
        

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