Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/83/
schaftlichen Vereins in Österreich, der sich agrarische Innovationen zum Ziel gesetzt hatte. Aber ohne eine Biographie lassen sich nur vor­ läufige Akzente setzen. Wie mancher deutsche Standesherr oder Kleinfürst war Alois tief beeindruckt von England, das er durch Reisen und durch eine diplomatische Mission kannte. Der Adel hatte durch die Anpassung an die moderneren Zeiten dort eine erstaunlich ausgeprägte Herrschaft behaupten können. Alois war ein Mann beträchtlicher parlamentarischer Erfahrungen im vormärzlichen Sinne und gehörte dem Herrenstand wenigstens in Schlesien, Mähren und Niederösterreich an — es ist bekannt, dass er auf dem niederösterreichischen Landtag des öfteren das Wort er­ griff im Sinne einer Modernisierung adeliger Herrschaft, die zugleich aber auch Stabilisierung bedeuten sollte106. Frühzeitig regte er dort die Umwandlung der überholten Feudalrechte durch eine günstige Ablösung an — der Fürst wusste gut, dass eine blinde Verteidigung des Vergangenen wenig fruchtete. Seine elastische Haltung in den revolutionären Unruhen von 1848/49 weist ihn als einen geschickten und überlegten Politiker aus107. Naturgemäss war seine Distanz zu den revolutionären Ereignissen unverkennbar — Alois wollte den flüchtigen Metternich in Felds­ berg aufnehmen108. Es scheint, dass die schwarz-gelbe Loyalität stär­ ker war als seine konservativ-reformerischen Tendenzen im Hinblick auf die Verfassung seines kleinen Landes: die Brüder des Fürsten fochten als hohe Offiziere der kaiserlichen Armee für die Integrität 108Bibl, Niederösterreichische Stände, S. 117, 201, 252, 286, 314 f. Der Fürst wird als engagierter Teilnehmer der Diskussionen geschildert, der regelmässig den Landtag besuchte und vor allem im agrarischen Bereich einen gemässigt konser­ vativen Standpunkt vertrat, der durchaus offen für Reformen war. Wenn man über die Aktivitäten des Fürsten mehr wüsste, könnte man auch seine Politik im Fürstentum besser bewerten. Leider weiss man über sein Wirken auf den Landtagen in Mähren und Schlesien derzeit überhaupt nichts. Wie bereits sein Vater Johann I. hatte auch er bemerkt, dass ein echt autokratisches Regiment angesichts der steigenden Fülle der Geschäfte nicht mehr durchzuhalten war. Stekl, Aristokraten, S. 43, Anm. 16. Alois II. rekrutierte bewusst hervorragend qualifizierte Beamte für seine Hofkanzlei, Ebd. S. 53, 90 f., 97 — auch um die soziale Versorgung der Beamten kümmerte sich der Fürst. 107 Interessant ist, dass selbst das wohlhabende Haus Liechtenstein durch die poli­ tische Lage 1848 finanziell unter Druck geriet — der Kredit reduzierte sich, und man hatte Probleme bei der Tilgung der Schulden, die man für den Um­ bau der Wiener Gebäude gemacht hatte. Stekl, Aristokraten, S. 27. 108 Metternich flüchtete mit Pferden des Fürsten Alois II. Srbik, Metternich 2, S. 289. 87
        

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