Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/77/
Die provisorische Verfassung war dennoch populär; sie entsprach übrigens vielfach den gemässigten Korrekturen, die norddeutsche Fürsten nach dem Scheitern der Revolution vornahmen91. Der Fürst sah im Landrat eine Barriere gegen radikale Bestrebungen: eine allge­ meine indirekte Wahl nominierte die Kandidaten, wobei Peter Kaiser bezeichnenderweise die meisten Stimmen erhielt. In einer Versamm­ lung aller Bürger in Vaduz am 20. Mai 1849 wurden die 24 Land­ räte nach einem umständlichen, offensichtlich auch nicht unproble­ matischen Wahlverfahren bestimmt — man spürte die Wirkung von Peter Kaisers Verherrlichung der älteren Verfassung. Präsident wurde der Landesphysikus Karl Schädler. Der Landrat hatte rasch ange­ sichts einer drohenden Finanzkrise Ordnung zu schaffen; deshalb verzichtete er darauf, die veralteten Feudallasten zu beseitigen. Mit einer neuen Gemeindeordnung sollte die kommunale Autonomie als Korrelat zum Verfassungsstaat befestigt werden: dabei trennte man nach Schweizer Muster die Genossengemeinde, also die am Ge­ meindevermögen Beteiligten, von der politischen Gemeinde mit einer erstaunlichen Polarisierung der Institutionen. Menzinger zögerte, der Fürst lehnte diese Lösung ab. Gemässigte Reaktion in Liechtenstein Es war dann schon deutlicher Ausdruck der Defensive nach der ge­ scheiterten deutschen Revolution, dass man die Verfassung zu retten suchte, indem man den fürstlichen Wünschen in einem Kompromiss nachzugeben bereit war, um wesentliche liberale Elemente zu retten. Aber am 31. Dezember 1851 hatte Kaiser Franz Joseph die österrei­ chische Verfassung wieder aufgehoben92 — er befand sich damit im Gleichschritt mit dem wiederbelebten Deutschen Bund, der schon am 23. August die Rücknahme der revolutionären Errungenschaften ge­ fordert und den Einzelregierungen dabei seine Rückendeckung an- 81 Vgl. Huber, Verfassungsgeschichte 3, S. 203—223. 82 H. H. Brandt, Der österreichische Neoabsolutismus. Staatsformen und Politik 1846—1860, 2 Bde., 1978. — E. Winter, Revolution, Neoabsolutismus und Reaktion in der Donaumonarchie, 1969, S. 77—198. — F. Walter, österrei­ chische Verfassungsentwicklung 1848—1859, in: Die Entwicklung der Verfas­ sung Österreichs vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 
21970, S. 68—85. — Aus­ greifend: J. Redlich, Das österreichische Staats- und Reichsproblem. Ge­ schichtliche Darstellung der inneren Politik der habsburgischen Monarchie von 1848 bis zum Untergang des Reiches, 2 Bde., 1920/26. 81
        

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