Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/72/
Peter Kaiser und die Revolution von 1848/49 Entscheidend dafür, dass das Jahr 1848 in Liechtenstein tiefe Spuren hinterliess, war vor allem das Wirken des Lehrers und Rektors Peter Kaiser, geboren 1793 in Mauren77. Nach Studien in Wien war er in Freiburg in den Bannkreis des liberalen Rotteck und der Burschen­ schaften geraten, gewann er Zugang zu der deutschen nationalen Bewegung. Im Zeichen der Demagogen Verfolgungen musste sich Kai­ ser in die Schweiz zurückziehen, wo sich ein Wandel zu einem beton­ teren Katholizismus vollzogen zu haben scheint: den aufklärerischen Traditionen ist Kaiser stets treu geblieben. Er begann das liechten­ steinische Volk zu entdecken und schrieb 1847 eine Geschichte des Landes im Stil des romantisch geprägten Demokraten78; dabei ver­ herrlichte er die alten landschaftlichen Einrichtungen, die vom büro­ kratischen Absolutismus zerstört worden waren. Das Buch verfiel der scharfen Kritik des Landvogts Johann Michael Menzinger; bemer­ kenswerterweise gab es jedoch der Fürst frei, allerdings nicht als Schulbuch. Auch in der Praxis suchte Kaiser für sein Volk zu wirken, so etwa 1840 an der Spitze einer Deputation nach Wien. Das Jahr 1848 sollte ihn in eine Rolle für Liechtenstein befördern, die der der Erwecker vieler junger europäischer Nationen entsprach. Dass Kaiser letztlich der Mässigung das Wort redete, wurde für die liechtenstei­ nische Entwicklung prägend, fand jedoch auch einen Anhalt im Han­ deln des Fürsten. In Liechtenstein schien nach der Pariser Februarrevolution zunächst alles ruhig zu bleiben79. Aber als am 13. März 1848 selbst Metternich stürzte80, begann es auch hier zu gären; das doppelte Korsett der Herrschaftssicherung durch Österreich und den Bund war entfallen. Der Landvogt suchte der von Balzers und Mauren ausgehenden Be­ 77 F. J. Kind, Peter Kaiser 1793—1864, in: JBL 5 (1905), S. 6—38. — R. Ritter, Peter Kaiser;. Sein Leben .und Werk, in: JBL 44 (1944), S. 5—34. — I. Müller, Geistesgeschichtliche Studien über Peter Kaiser, in: JBL 44 (1944), S. 67—91. — R. Allgäuer, Peter Kaiser (1793—1864). Beiträge zu einer Biographie, in: JBL 63 (1964), S. 7—61.. —,1. Müller, Peter Kaiser, Charakteristik aus Doku­ menten von 1838—1842, in: JBL 63 (1964), S. 65—132. 78 Kaiser, Geschichte (wie Anm. 1). 70 Zur liechtensteinischen Entwicklung. zwischen 1848 und 1866 grundlegend: Geiger, Geschichte., Vgl. auch: Ders.,' Die liechtensteinische Volksvertretung in der Zeit von 1848 bis .1918, in: Liechtenstein.; Politische Schriften 8, S. 29—58. 80 R. Kiszling, Die Revolution im Kaisertum Österreich 1848/49, 2 Bde., 1948. — R. J. Rath, The Viennese Revolt of 1848, 1957. — F. Prinz, Prag und Wien 1848, 1968. 76
        

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