Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/71/
gänger, war im Lande geboren71. Nach dem Tod Johanns I. setzte überdies mit dem neuen Fürsten Alois II. (1836—1858)72 eine Locke­ rung ein, ohne dass sich die Situation zunächst grundsätzlich wan­ delte. Die Unruhen von 1831/32 waren noch einmal jenen von 1809 ähnlich: altrechtliche Züge, konkrete lokale Interessen, Wahl von Deputierten, kurzum: der alteuropäischen Tradition zugehörig — und doch setzten deutliche politische Töne ein. Möglicherweise hat in den folgenden Jahren die Verbindung von katholisch und konser­ vativ in den Schweizer Auseinandersetzungen, die ihren Höhepunkt im Sonderbundskrieg erreichten73, ein stärkeres Eindringen des Libe­ ralismus von Westen her gehindert. Erst das Jahr 1848 sollte dann in den erneuten Auseinandersetzungen zu einer Politisierung und Modernisierung führen. Das aber war nicht zuletzt der Tatsache zu danken, dass nun Intellektuelle an die Spitze der Bewegung traten, die den Ideen der Zeit den Weg ins Volk öffneten. Bis 1847 wirkte die obrigkeitliche Struktur der Verfassung weiter in undramatischen Landtagen; 1846/47 trafen die europäischen Hunger­ jahre74 das Land mit voller Wucht und führten schnell kritische Ver­ hältnisse herbei75. Im benachbarten Vorarlberg radikalisierte sich 1848 die Situation76 — zugleich gewannen Schweizer Einflüsse an Boden. Freilich blieb die patriarchalische Struktur des Landes: ein Liechtensteiner Kommunist wie Johann Allgäuer aus Eschen war eher eine Kuriosität. 71 Menzinger, Familie Menzinger. 72 Eine Biographie Alois' II. fehlt. Vgl. Quaderer, Geschichte, S. 106 u. ö. Ferner: C. v. Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaisertums Österreich 15, 1866, S. 140 ff. — A. M. D. Lowy, Alois Fürst von und zu Liechtenstein. Ein Toten­ gedächtnis, 1859. —• Einiges Material bei: H. Stekl, Österreichs Aristokratie im Vormärz. Herrschaftsstil und Lebensformen der Fürstenhäuser Liechtenstein und Schwarzenberg, 1973. 73 Jean-Charles Biandot, Der modernen Schweiz entgegen, in: Handbuch der Schweizer Geschichte (wie Anm. 41) 2, S. 871—986. 74 W. Abel, Massenarmut und Hungerkrisen im vorindustriellen Europa. Versuch einer Synopse, 1974, S. 359—396. 75 In Liechtenstein war die Situation durch die Rheinüberschwemmung des Jahres 1846 verschärft worden. Vgl. Quaderer, Geschichte, S. 114—119. — Ospelt, Wirtschaftsgeschichte, S. 37. Schon das Hungerjahr 1817 hatte sich verheerend ausgewirkt. A. Schädler, Das Hungerjahr 1817 in Liechtenstein, in: JBL 18 (1918), S. 9—25. Die liechtensteinische Auswanderung erreichte damals einen Höhepunkt — sie war im 19. Jahrhundert stets ein Anzeiger für verschärfte Krisensituationen im Land. Vgl. N. Jansen, Nach Amerika! Geschichte der liechtensteinischen Auswanderung nach den Vereinigten Staaten von Amerika, in: JBL 76 (1976), S. 5—222. 76 Bilgeri, Geschichte Vorarlbergs 4, S. 293—341. 75
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.