Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/70/
gespielt. Die Hofkanzlei suchte zu temporisieren in der Absicht, einerseits nicht nachzugeben, zugleich aber auch die prestigemindernde auswärtige Intervention zu vermeiden. Allein im Streit um den Ben­ derer Pfarrer Konzett mit drei Gemeinden opferte man den offen­ sichtlich nicht ganz korrekten Kleriker, um die Gemüter zu beru­ higen. Die Opposition im Lande flammte jedoch nochmals empor — aber die unverblümte Drohung mit der gewaltsamen Intervention Öster­ reichs brachte wieder Ruhe. Hinzu kamen Zwistigkeiten unter den Untertanen, die der Hofkanzlei ihre Politik erleichterten — überdies konnte der Fürst den verfassungsmässigen, von den Notabein des Landes geprägten Landtag gegen die radikaleren Deputierten ausspie­ len. Offensichtlich liess sich der Notabeincharakter der Richter immer noch im Interesse des Landesherrn benützen. Schliesslich wur­ den die Deputierten verboten und die Verfolgung der «Bösartigen» angekündigt. Unter dem neuen Fürsten Alois II. (1836—1858) Der massive Druck brachte das Land zum Bewusstsein seiner aus­ sichtslosen Position und damit zur Ruhe. 1832 entzündete sich jedoch ein neuer schwerer Konflikt mit der Gemeinde Schaan um das Aus­ wahlrecht des fürstlichen Oberamts bei der Richterbesetzung. Po­ korny erkannte in der Gerichtswahl einen Hebel der Opposition, ihre Gesinnungsgenossen nach vorne zu schieben; die Diskrepanz zwischen Gemeindeeigentum und Freizügigkeit, die Probleme der Rekrüten- stellung und andere offene Fragen schufen immer neue Konfliktstoffe — Pokorny bemängelte auch, dass das Verhältnis zwischen Oberamt einerseits und Gemeinden und Untertanen andererseits ungeklärt war; die letzteren suchten neuerdings ihre Rechte weitgehend auszulegen. So schlug der Landvogt eine strikte Reglementierung vor, und die Hofkanzlei folgte ihm. Damit aber waren die Kräfte der Bewegung gebrochen: im Grunde war das Land weiter zurückgeworfen als zu­ vor — und hatte dennoch ein Stück Rechtsstaatlichkeit erreicht. Dennoch geriet die Entwicklung bald wieder in Bewegung. 1833 wurde die von Pokorny gewünschte Abberufung ausgesprochen, die man während der Unruhen aus Prestigegründen abgelehnt hatte. Der Nachfolger Johann Michael Menzinger, Sohn von Schupplers 
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