Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/54/
alteten Formen lebend, aber auch im lebendigen Bewusstsein der er­ haltenen Teile ständischer Freiheiten, ein armes Land freilich, von den Existenzkrisen der alten Gesellschaft, von Hunger und Seuchen bedroht, zu denen die Überschwemmungen des Rheins und die Rufen als dritte und vierte Plage kamen29. Nach den Mediatisierungen stand dieses Liechtenstein anders als im Alten Reich gleichsam allein. Nicht nur die alten reichsunmittelbaren Häuser Schwabens waren mediatisiert worden, sondern all die ande­ ren österreichischen Häuser, die Besitz im Reich erworben hatten, hat­ ten die Landesherrschaft nunmehr verloren30. Die Lasten der Reichs­ steuern hatten für Vaduz und Schellenberg im Zeichen der Franzö­ sischen Revolution eine rapide steigende Belastung bedeutet31. So be- grüsste man das Ende der Reichssteuern 1806 mit Erleichterung, man musste aber bald feststellen, dass der Rheinbund die Abgaben kräftig hochtrieb. Schon hieraus ergaben sich Probleme, sie vermehrten sich in einer Situation, als der Fürst einerseits dem Kaiser von Österreich an hervorragender Stelle diente und sein Land andererseits einem österreichfeindlichen System einverleibt war32. Die relative Bedeu­ tungslosigkeit Liechtensteins für den Landesherrn ermöglichte jedoch eine schmerzlose Vereinnahmung in den Rheinbund, dessen Lasten man freilich tragen musste. Wahrscheinlich sah man in der Wiener Hofkanzlei Johanns I. die rheinbündische Phase vor allem als Irri­ tation, in der man die Besitztitel retten musste. Aber der Wegfall des Reichsverbandes hatte die Funktionen des Ländchens schwinden las­ sen — trotz aller Bedeutung der Souveränität für den Rang des Hauses Liechtenstein. 29 Dazu vor allem die umfassende Studie von Ospelt, Wirtschaftsgeschichte. Zu den Rheinproblemen: Ebd., S. 16—38 (Literatur!). 30 Sie behielten natürlich ihr Vermögen, aber nicht die Landeshoheit. Österreich hatte noch — gleichsam in letzter Minute— versucht, seine Klientel zu stabi­ lisieren. Vgl. Press, Droit d'dpaves. 31 Die verheerende Last der Steuern anlässlich, der Kriege gegen das revolutionäre Frankreich war für einen , grossen Teil der kleinen Herren im Reich unerträg­ lich: viele Grafen, Ritter und Städte, die ohnehin durch eine veraltete und irrational gewordene Herrschaftsstruktur-belastet waren, gerieten nun unter einen zusätzlichen Druck, der. die Überlebenschancen • als: selbständige Herren grundsätzlich 'minderte.1 So' haben , die Revolutionskriege die Mediatisierung kräftig vorbereitet. Diese-Probleme entfielen bei dem Fürstentum Liechtenstein, für das die. Familie der Herrschaft keine Belastung, sondern mehr einen Rück­ halt bedeutete. Züm Steuersystem: Öspelt, Wirtschaftsgeschichte, S. 388—409. 32 Dies zeigt, dass das liechtensteinische Volk noch ganz in eine patriarchalische Welt eingebunden war, die nur geringe politische Möglichkeiten offen liess. 58
        

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