Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/45/
Gedanke der ständischen Erhöhung: reichsunmittelbare Würden ran­ gierten der formalen Bedeutung und dem tatsächlichen Prestige nach über den erbländischen, wenngleich die letzteren einen höheren finan­ ziellen Ertrag brachten. Andere Fürsten am Wiener Hof, wie die Dietrichstein, Auersperg, Porcia, hatten ihre Position längst durch ein Ausgreifen ins Reich gefestigt, Familien aus dem Reich fanden den Weg zum erbländischen Besitz und zu einer Position am Wiener Hof — auf diesem System beruhte die Renaissance der kaiserlichen Machtstellung zu Anfang des 18. Jahrhunderts. Der Erwerb von Vaduz und Schellenberg Jedoch hatte diese Bewegung noch eine andere Seite: sie sollte die österreichische Klientel im Reich, vor allem im Schwäbischen Kreis verstärken; die Etablierung der liechtensteinischen Herrschaft in Vaduz und Schellenberg sollte überdies das wichtige Tal des jungen Rheins mit einer zuverlässigen Dynastie sichern, nachdem die Finanz- und Herrschaftskrise des Hauses Hohenems hier ein gefährliches Vakuum hatte entstehen lassen8. Für das Fürstenhaus bedeutete also der Erwerb von Vaduz und Schellenberg nur ein begrenztes Ziel. Dass man an einem Ausbau nicht interessiert war, zeigt sich daran, dass keinerlei Versuche überliefert sind, mit einem Erwerb der Restherrschaft Hohenems nach dem Aussterben des Grafenhauses 1759 eine Brücke zum Bodensee zu schlagen und damit einen besseren territorialen Anschluss zum Schwä­ bischen Kreis zu gewinnen. Der Erwerb von Hohenems — auf hal- (1958), S. 91—133. — Ders., Zur Erwerbung der Grafschaft Vaduz durch Fürst Johann Adam von Liechtenstein vor zweihundertfünfzig Jahren, in: JBL 61 (1961), S. 5—23. — V. Press, Die Entstehung des Fürstentums Liechten­ stein, in: W. Müller (Hg.), Fürstentum Liechtenstein. Ein landeskundliches Portrait, 1981, S. 63—91. Ausführlicher in einer Gesamtstudie, die der Ver­ fasser plant. 8 Zum Haus Hohenems das Lebenswerk von Ludwig Welti: L. Welti, Geschichte der Reichsgrafschaft Hohenems und des Reichshofes Lustenau, 1930. — Ders., Graf Jakob Hannibal I. von Hohenems 1530—1587. Ein Leben im Dienste des katholischen Abendlandes, 1954. — Ders., Graf Kaspar von Hohenems 1573— 1640. Ein adeliges Leben im Zwiespalte zwischen friedlichem Kulturideal und rauher Kriegswirklichkeit im Frühbarock, 1963. Eine deutliche Betonung der «demokratischen» Traditionen der Vorarlberger Geschichte mit entsprechender Distanzierung von den Hohenemsern bei: B. Bilgeri, Geschichte Vorarlbergs, Bd. 3: Ständemacht, Gemeiner Mann — Emser und Habsburger, 1977. Abge­ schwächt bei: K. H. Burmeister, Geschichte Vorarlbergs. Ein Uberblick, 1980. 49
        

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