Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/20/
Staat sei, da die Teilnahme des einzelnen an den Geschäften des Gan­ zen — eben diese «Teilhabe» mache den Sinn des Staates aus! — hier auf ein Minimum oder Nichts zusammenschrumpfe. «Plus l'Etat s'agrandit, plus la libert£ diminue» (Contrat social III/l). Demokra­ tie ist daher nach Rousseau nur möglich in ganz kleinen Gemein­ wesen; denn diese Demokratie verlange, dass alle direkt an der Sou­ veränität teilhaben, da die «volonte generale» sich nicht repräsentie­ ren lasse. Und die zwingende Folge: «&Tinstant qu'un peuple se donne des representants, il n'est plus libre; il n'est plus.» (C. s. III/l 5). Den Grossstaat aber sah er als eine Föderation von kleinstaatlichen Demo­ kratien, der er ein weiteres Werk zu widmen gedachte, das dann leider nie geschrieben wurde (C. s. III/l5, Anm. 2). Montesquieu und Rousseau haben gegen den monarchischen Absolu­ tismus des Ancien Regime gekämpft. Die neue Herausforderung für den Kleinstaat aber kam in der Folge von Seiten der national beton­ ten, z. T. demokratischen Grossstaaten. Gross ist denn auch seit dem Ende des 18. Jahrhunderts die Zahl der Apologien der Einheit und Macht des Grossstaates, allen voran die Deutschen Schlözer, Droysen und Treitschke. Seltener dagegen sind die Apologien des Kleinstaates und des kleinstaatlich-föderalistischen Unterbaues, in Frankreich Alexis de Tocqueville, der grosse Künder der Gemeindefreiheit, in Deutschland Arnold Heeren und Constantin Frantz, und in der Schweiz Philipp Anton v. Segesser, Johannes von Müller, Heinrich Pestalozzi, Jakob Dubs, Jacob Burckhardt und viele andere. Eines der meistzitierten Worte über den Kleinstaat stammt aus den «Weltgeschichtlichen Betrachtungen» von Jacob Burckhardt: «Der Kleinstaat ist vorhanden, damit ein Fleck auf der Welt sei, wo die grösstmögliche Quote der Staatsangehörigen Bürger im vollen Sinne sind ... Denn der Kleinstaat hat überhaupt nichts als die wirkliche tatsächliche Freiheit, wodurch er die gewaltigen Vorteile des Gross­ staates, selbst dessen Macht, ideal völlig aufwiegt;18 jede Ausartung in die Despotie entzieht ihm seinen Boden, auch die in die Despotie von unten, trotz allem Lärm, womit er sich dabei umgibt.» Es han­ delt sich dabei nicht um eine beiläufige Äusserung, sondern der Ge­ 18 Werner Kaegi, a.a.O., Bd.- II,-S. 65, hat nachgewiesen, dass dieser Satz bei.der Schlussredaktion • noch- hineingekommen ist, wodurch die «wirkliche tatsächliche Freiheit» als Grundwert des'Kleinstaates besonders nachdrücklich unterstrichen werden wollte. 22
        

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