Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/19/
solchen Föderationen Grenzen gesetzt sind. Wo sie 12—14 Glieder überschreiten, entsteht für sie innerer oder äusserer Schaden (Discorsi II/4, II/19).16 Am beharrlichsten und klarsten aber hat der grosse Weise von Bor­ deaux, Montesquieu, diese Zusammenhänge durchdacht. Zwingende Voraussetzung wirklichen kleinstaatlichen Denkens ist die republika­ nische Staatsform. Das 8. Buch des «Esprit des Lois», das von den Gründen des Unterganges der Staaten handelt, zeigt in den Kapiteln XVIff. die Voraussetzungen für die Erhaltung der verschiedenen Staatsformen: Es gehört zum Wesen der Republik, dass sie nur ein kleines Territorium besitzt (Kap. XVI; XX). Die Monarchie ist nur in Gemeinwesen mittlerer Grösse («grandeur mediocre») möglich (Kap. XVII). Ein grosses Reich aber setzt zwingend die «autorite despotique» voraus (Kap. XIX). Die heutigen Politiker sprächen von nichts als von Industrie, Handel, Finanzen, von Reichtum und von Luxus u. ä. m. Die Grundvoraussetzung für die Erhaltung der Repu­ blik aber beruhe in der «vertu», die Montesquieu bestimmt als Liebe zum Vaterland, als Treue zur Gleichheit, als Einfachheit des Lebens, als Vermeidung der Extreme der Armut wie des Reichtums (Esprit des Lois III/3). Sparta rühmt er für den weisen Verzicht auf Erobe­ rungen. Rom sei an seiner Grösse zugrunde gegangen.17 Montesquieu hat die Schwäche des Kleinstaates nicht übersehen, im Blick auf den politischen Machtkampf und auf die militärische Be­ hauptung. Er hat aber hingewiesen auf eine Form der Staatenverbin­ dung, welche die inneren Vorteile der Republik mit der äusseren Lei­ stungsfähigkeit der Monarchie vereinigt: die föderative Republik (Esprit des Lois, IX/1). Oft wurde im Laufe der Geschichte die Frage gestellt, ob der Klein­ staat überhaupt noch ein Staat sei. J.-J. Rousseau stellt demgegenüber die herausfordernde Frage, ob ein Grossstaat überhaupt noch ein 16 N. Machiavelli, Discorsi, 2. Buch, Kapitel 4 und 19; J.-J. Chevallier, a. a. O., Bd. I, 219ff.; Friedrich Meinecke, Die Idee der Staatsraison, 1924, S. 83ff. 17 Viele Autoren haben den Kleinstaat überhaupt nicht gewürdigt, vgl. oben Anm. 2; bei anderen hat man äusserst bedeutsame Äusserungen nicht oder viel zu wenig beachtet. Das ist auch Montesquieu widerfahren. Werner Kaegi hat die Bedeutung seiner Erkenntnisse hervorgehoben: «Kein Autor des 18. Jahr­ hunderts hat unseres Wissens den Gedanken des Kleinstaates mit grösserer Ener­ gie durchdacht als Montesquieu» (a.a.O., Bd. I, S. 265; vgl. auch J.-J. Che­ vallier, a. a. O., Bd. II, S. 57ff.). 21
        

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