Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/183/
sozusagen mit westlichem Gedankengut infiziert werden. Ebenso­ wenig wird die Auffassung zielführend sein, Kontakte und Informa­ tionsfreiheit seien sehr zu begrüssen, nachdem erst einmal eine mar­ xistische Ordnung in ganz Europa errichtet wurde. Man muss sich vielmehr darüber Rechenschaft geben, dass die Achtung der Men­ schenrechte und Grundfreiheiten, wozu insbesondere auch die Glau­ bens- und Gewissensfreiheit gehört, ebenso wie die Massnahmen, die im dritten Korb vorgesehen sind, einerseits Marginalien zum Sicher­ heitsverhältnis zwischen Militärallianzen sind; d. h. sie sind für die Entscheidung der Rivalität — Sieger und Besiegte — nicht wesent­ lich. Andererseits sind diese Massnahmen für die Bildung von Ver­ trauen zwischen Staaten und Regierungen von einer unersetzlichen Qualität. Sie sind mit dieser Qualität für den KSZE-Prozess wesent­ lich. Je entschiedener sich das Verhältnis zwischen den Teilnehmer­ staaten normalisieren soll, um so unabdingbarer wird die freie Sicher­ heit der einzelnen Menschen im gesamten Gebiet der Teilnehmer­ staaten. Nicht eine verantwortungslose, willkürliche Freiheit soll im­ portiert werden, wie der Osten oft vermutet und gelegentlich zu vermuten Anlass hat. Es geht vielmehr um ein 
freies, Verantwortung tragendes Vertrauensverhältnis zu den eigenen und zu anderen staat­ lichen Organen. Dies kann den Frieden zwischen den Teilnehmer­ staaten stärken. Im gleichen Zusammenhang muss man auch die Glaubens- und Gewissensfreiheit erwähnen. In diesem Sinn ist die Respektierung der Menschenrechte, die Durchführung der in den Schlussakten und weiteren Folgekonferenzen im dritten Korb be­ schlossenen Massnahmen ein wesentlicher Teil der Entspannung. Das Verständnis für die hier erforderliche Vorgehensweise zwischen West- und Osteuropa ist ein unerlässlicher Teil des KSZE-Dialoges. In diesem qualitativsten Punkt ihres gegenseitigen Verhältnisses hat auch der europäische Kleinstaat unmittelbar seinen Platz. So wenig er im Gespräch über militärische Aspekte der Sicherheit und ver­ trauensbildende Massnahmen entscheidend zur Lösung der bestehen­ den Schwierigkeiten wird beitragen können, so sehr kann der Klein­ staat, gerade weil er im Konflikt unbelastet ist und natürlicherweise die freie Sicherheit der Bürger im nationalen und übernationalen Geschehen sucht, den übrigen Teilnehmern hier voraus sein. Er kann auf dem für den West-Ost-Konflikt bedeutenden, aber letzten Endes für den Ausgang des Machtkonfliktes nicht entscheidenden, marginalen Gebiet des dritten Korbes das profilieren, was schliesslich allen nützt. 190
        

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