Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/177/
halten, dass heute alle Staaten von der Einsicht ausgehen müssen, dass reine Machtpolitik im Atomzeitalter in Europa ein Anachronismus ist. Mit der Wiederaufnahme des politischen Dialoges jenseits strategi­ scher Machtverhältnisse gemessen die Kleinstaaten unwillkürlich das Wohlwollen aller, vor allem auch der grossen Rivalen im Konflikt. Und tatsächlich haben die Kleinstaaten eine besondere Position im KSZE-Dialog. Sie sind für das Gesamtverhältnis unbelastend. Aber sie sind mit einigen sensitiven Punkten des KSZE-Prozesses besonders verbunden und hiermit auch besonders qualifiziert, im Interesse aller ihr eigenes Interesse zur Geltung zu bringen. Der Satz, «An der KSZE wird unter Bedingungen souveräner Gleich­ heit verhandelt», bedeutet also auch für Liechtenstein eine reale Chance. Wie weit ist das Fürstentum darauf vorbereitet, diese Chance zu nutzen? Was sind seine wesentlichen Interessen und was kann es zum KSZE-Dialog beitragen? Man kann hier drei Bereiche unter­ scheiden: Sicherheit, Verfahrensfragen, Zusammenarbeit im humani­ tären Bereich. I. Sicherheit Liechtenstein tritt als völlig unbelasteter Partner in das KSZE-Ge­ schehen ein. Keiner seiner Nachbarn bedroht seine Existenz. Niemand kann sich durch die Existenz Liechtensteins bedroht fühlen. Liechten­ stein trägt nicht im geringsten Schuld am Konflikt, der in Europa entstanden ist und der Europa noch immer in zwei heterogene Hälften trennt. Diese unbelastete Stellung Liechtensteins ist die wichtigste Voraussetzung für alles weitere. In seiner Aussenpolitik ist Liechtenstein aber in ausgesprochenster Weise daran interessiert, dass die Beziehungen zwischen allen euror päischen Staaten jenen gleichen, deren es sich zwischen seinen Nach­ barn, der Schweiz und Österreich, erfreut. Ein Gleichgewicht des Schreckens als einziger Ausdruck für Sicherheit in ganz Europa kann hier nur als tragisch ungenügend empfunden werden. Ein Kodex friedlichen Wohlverhaltens, wie er in den zehn Prinzipien der KSZE zum Ausdruck kommt, stellt, sofern er tragfähig ist und eingehalten wird, einen grossen Fortschritt dar. Liechtenstein hat also durchaus Interesse daran, jene Solidarität aller europäischen Staaten gestärkt 184
        

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