Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/175/
5. Kapitel: Liechtenstein in der KSZE Gelegentlich wird die Frage gestellt, was kann ein Staat wie Liechten­ stein in der KSZE tun? Wenn wir den Ost-West-Konflikt als solchen, oder besonders seine strategische Dimension ins Auge fassen, so wird die Antwort lauten: nichts! Eine Besinnung auf den besonderen Platz, den die KSZE im Ent­ spannungsvorgang einnimmt, eine Besinnung auf ihre Struktur und auf die Stellung der einzelnen Staaten in ihr, ergibt ein anderes Bild. Die vorhergehenden Überlegungen haben gezeigt, es ist nicht Aufgabe' der KSZE, den ganzen Bogen der Entspannungspolitik abzudecken; Die KSZE ist eher ein politischer Überbau für dieselbe. Dies gilt wenigstens für die KSZE in ihrer gegenwärtigen Struktur. Die Teilnehmer finden sich zur Konferenz von einer bestimmten sicherheitspolitischen Voraussetzung ausgehend zusammen. Diese 
stille Voraussetzung lautet: 1. Das Verhältnis der Supermächte ist zwar gespannt und labil, global gesehen aber doch ausgewogen (Gleichge­ wicht des Schreckens). 2. Kein europäischer Staat, vor allem keine Grossmacht, profitiert davon, wenn sie ihr Gewicht dazu einsetzt, die bestehenden Verhältnisse in Europa 
einseitig zu verändern. 3. Ver­ suchungen einer Grossmacht, in Europa einseitig aus dem Kreis all jener auszubrechen, die durch die Entspannung gemeinsam Nutzen ziehen, können de facto jederzeit durch den Druck einer anderen Macht aufgewogen und zurückgebunden werden. Diese drei Punkte müssen in ihrer inneren Logik gesehen werden. Das sicher labile Gleichgewicht der Abschreckung muss zwischen den Grossmächten und ihren Allianzen laufend direkt und so kohärent verrechnet werden, dass sein Bestehen ausser Frage steht. Hierüber kann gar nicht diskutiert werden. Aber erst durch den dritten Punkt ist de facto — über das Prinzip des Konsensus hinaus, das in der poli­ tischen Arena stets etwas theoretisch wirken könnte — jener Aus­ gleich der Machtpositionen gegeben, von wo aus alle Staaten, ob gross oder klein, auf der gleichen Ebene miteinander sprechen können. Jen­ seits dieser strategischen Voraussetzungen, entsteht dann für alle ein homogenes Feld, auf , dem sich über den Katalog der Prinzipien guten Benehmens, über Sicherheit und Kooperation erst von gleich zu gleich reden lässt. Hier kann die Rückkehr von der Machtpolitik, die 
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