Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/174/
kennt, ein Realismus, der in den Machtverhältnissen das europäische Menschenbild will und bejaht. Langfristig steht die Solidarität der KSZE-Teilnehmerstaaten vor einer historischen Probe. Ihr Vorhaben gleicht einem Versuch von 35 Männern, einen Betonklotz, der sie alle belastet, von verschiedenen Seiten aufzuheben und an eine andere Stelle zu tragen. Wenn eine Seite nachgibt, wird sie den Betonblock auf ihren Füssen liegen haben. Hierin gibt es keine Neutralität. Und dabei kann man nicht einmal sicher sein, dass alle ehrlich mitmachen. Die Gefahren, die eintreten können, werden noch deutlicher, wenn man nicht an einen Betonklotz, sondern an einen grossen Blechtank denkt, der Flüssigkeit enthält. Eine plötzliche Verschiebung des Gleichgewichtes kann eine ganze Mannschaft zum Straucheln bringen. Man muss sich ganz klar sein, dass auch solche Spiele an den Folgetreffen beginnen können, und dass die KSZE-Partner sie im Hinblick auf ihre gemeinsame Zukunft lang­ fristig im Auge behalten müssen. Als hellhörig gewordener Europäer muss man in Sachen Nachfolge­ treffen alle jene Tendenzen genau beobachten, die entweder darauf abzielen, einen KSZE-Staat aus seiner Verantwortung für die «kleinen beschlossenen Massnahmen im dritten Korb» vorzeitig zu entlassen, oder die anderseits darauf abzielen, die KSZE-Nachfolgekonferenzen mit spektakulären Massnahmen für Frieden und Abrüstung zu über­ laden. Die grösste Gefahr besteht weiterhin darin, dass die KSZE zu einer Werbeaktion für die verdeckten Ziele einer Supermacht degene­ riert. Die Treue in der Durchführung der «kleinen» Massnahmen des dritten Korbes, wobei Grossmächte wirkliche Grösse zeigen können und ihre veränderte Haltung allen echte Sicherheit geben würde, wäre wahrscheinlich signifikanter als Abrüstungsverhandlungen, bei denen Gleichschritt in Hardware immer nur sehr schwerfällig zu er­ reichen ist und letztlich niemandem ausser den Grossen echte Sicher­ heit gibt. Insofern hätten die neutralen und nichtpaktgebundenen Staaten Europas vor allem ein Interesse daran, den dritten Korb nicht aus der Hand zu geben und die Initiative hier nicht einer Militär­ allianz zu überlassen. 181
        

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