Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/173/
nicht das Verhältnis zwischen Raketen in Europa mit der Behandlung von getrennten Familienangehörigen verrechnen. Um eine qualitative Ausgewogenheit zwischen den Forderungen der Schlussakte wird immer lange gestritten werden müssen. Grundsätzlich wird die Über­ legung gelten, dass alle drei Körbe der Schlussakte gleichwertig er­ halten und ausgebaut werden müssen, dass ein Fortschritt in der Aus­ arbeitung vertrauensbildender militärischer Massnahmen und Ab­ rüstung in gleicher Weise von Fortschritten auf dem Gebiet der wirt­ schaftlichen Zusammenarbeit und dem Abbau menschenunwürdiger Hindernisse zwischen Teilnehmerstaaten begleitet sein sollte. Bei der Belastung, die lange Verhandlungen für alle Teilnehmerstaa­ ten bedeuten, ist eine Versuchung nicht zu übersehen: Die qualitativ bedeutenden, politisch aber als weniger entscheidend empfundenen Massnahmen des dritten Korbes drohen in den Hintergrund zu rut­ schen. Die Staaten haben ein Interesse, Fragen unmittelbarer Bedro­ hung zuerst zu lösen. Ist das die Aufgabe der KSZE? Führt das nicht langfristig gesehen zu einer gefährlichen Verschiebung jener Ebene, an der alle als gleichberechtigte Partner sitzen? Die Frage stellt sich. Sie kann bewältigt werden, wenn die Teilneh­ merstaaten weiterhin das solidarische Interesse am ausgewogenen Fortschritt des KSZE-Prozesses anerkennen. Es kann.aber über diese Frage auch eine 
Umwertung des KSZE-Prozesses scheinbar zugunsten des ersten Korbes, Sicherheit, für alle, erfolgen, in Wirklichkeit wohl ein Abgleiten in Fragen, wo nur die Interessen der Allianzen unmit­ telbar verrechnet werden. Vom Standpunkt der neutralen Staaten aus müssen diese Tendenzen mit grösster Aufmerksamkeit verfolgt wer­ den.35 Ist ihr eigentlicher Platz nicht dort, wo in einer gewissen Distanz vom strategischen Geschehen in ausgewogener Weise alle Aspekte der Ordnung in Europa zum Zuge kommen, sich alle Kom­ ponenten berühren, die zu einer friedlichen Entwicklung in Europa beitragen können? Diese durch Mitwirkung aller eminent auf quali­ tative Steuerung des Entspannungsprozesses bezogene Struktur der KSZE gilt es langfristig zu erhalten. Die aufgeworfenen Fragen zeigen, mit welcher Unerbittlichkeit der Folgeprozess der KSZE unter dem Gebot des Realismus, stellt; Es ist ein geistiger, ein echt europäischer Realismus. Ein Realismus, der nicht nur Butter und Kanonen aner­ 35 Siehe Anm. 15. 180
        

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