Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/172/
Folgende Fragen müssen in aller Offenheit gestellt werden: — Fördert nicht gerade eine Täuschung über den Wert des bisher Erreichten bei vielen kleineren Teilnehmern einen realen Bewusst- seinsschwund ihrer Sicherheitsinteressen? — Übersieht man die Notwendigkeit, den stärksten europäischen Teilnehmerstaat ausserhalb der Hypothese der KSZE sehr real zur zweiten Lesart der Entspannung zu verpflichten? — Sind sich alle demokratischen KSZE-Teilnehmerstaaten bewusst, dass der dritte Korb, neben dem ersten und dem zweiten, «ihr Korb» ist, oder überlassen sie hier die Initiative einer Militärallianz? — Existieren Tendenzen, die KSZE im Verlauf der Zeit immer mehr in ein Forum für Sicherheit und Hardware umzufunktionieren und den dritten Korb so hoch zu hängen, wie im ersten Korb Konzes­ sionen gegenüber einer Supermacht gemacht werden? Im weiteren Verlauf der Folgetreffen nehmen die Teilnehmerstaaten zu Vorschlägen Stellung, welche geeignet sind, den Entspannungs- prozess zu vertiefen. Hier gehen sie notwendigerweise weiter auf die dem Entspannungsdialog unterliegende Doppeldeutigkeit zu. Das Ringen um die eine oder andere Lesart wird härter. Dies ist begrüs- senswert. Aber die Anforderungen an Geduld und Einsicht für die notwendige Solidarität werden auch grösser. Es ist verständlich, dass die Grossmächte und ihre Allianzen ihre primären Motive im Dialog vorschieben. Es ist verständlich, dass die Sowjetunion mit spektaku­ lären Friedensinitiativen und Abrüstungsvorschlägen auftritt, die von allen auf ihren Realismus hin geprüft werden müssen. Es ist verständ­ lich, dass die in ihrer Militärallianz führenden westlichen Demokra­ tien auf ihren Vorstellungen von Menschenrechten, Informationsfrei­ heit und Bürgerinitiativen zugunsten der Durchführung der Helsinki- Schlussakte bestehen. Im Namen der Solidarität aller KSZE-Staaten sollte keine Forderung, welche grundsätzlich, und sei es nur als eine Komponente, geeignet ist, den Helsinki-Prozess zu ergänzen, zurück­ gewiesen werden. Es ist aber ebenso darauf zu achten, dass dieser in der Ausgewogenheit seiner drei Teile — Sicherheit, Kooperation und menschliche Verhältnisse — respektiert wird. Freilich ist diese Aus­ gewogenheit nur qualitativ und nicht quantitativ messbar. Man kann 179
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.