Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/171/
Irreale. Es wird wieder zur Projektion, zur Fata morgana, hinter der jene herlaufen, die die Doppeldeutigkeit der Entspannungspolitik nicht durchschauen. Eine Grossmacht hätte durch ein Missverständnis über den solidarischen Charakter des KSZE-Prozesses — eine Soli­ darität, der gegenüber es keine Neutralität gibt — ihr ursprüngliches Konferenzziel, Einschläferung des Widerstandes, erreicht. II. Die langfristige Perspektive: Ausgewogenheit Im Zusammenhang mit der Erfüllung des eben beschriebenen ersten Auftrages an das oder die Nachfolgetreffen stellt sich die Frage nach Prüfung von weiteren Massnahmen, welche der Vertiefung des Ent­ spannungsprozesses dienen können. Hier wird es unumgänglich, die langfristige Perspektive einzubeziehen. Auch um langfristig klar zu sehen, muss man unnachsichtig fragen: Was ist an der KSZE real? Ist nicht alles Papier? Ist die Sicherheit der Teilnehmerstaaten tatsächlich grösser geworden, oder wird das Bewusstsein ihrer Sicherheitsinteressen gerade durch die KSZE ein­ geschläfert? Hat es irgend eine Grossmacht weiter in der Hand, das bisher Erreichte durch ihr zynisches Vorgehen gegenüber anderen Staaten vom Tisch zu wischen? Wenn man zur Auffassung kommt, dass schon einiges geschehen ist, dass sich das Verhältnis unter den 35 Teilnehmerstaaten seit 1972 in vielen Punkten gebessert hat, dann darf man sich der weiteren Frage dennoch nicht verschliessen: Ist die KSZE mit allem bisher Erreichten, mit allem darin investierten guten Willen und den demonstrierten Konzessionen der Grossmächte, nicht weiterhin eine Fata morgana, eine ideale Projektion, in hervorragen­ der Weise geeignet, den Zielen einer Grossmacht politisch Vorschub zu leisten? In subtiler Weise könnte der KSZE-Prozess, der eine ausgewogene Komposition von Motiven enthält, so dass das gemeinsame Vorhaben als Ganzes allen nützt und keinem schadet, von seinem Ziel abgelenkt werden. Er könnte immer noch den Interessen einer Grossmacht ge­ fügig gemacht werden. Langfristig müssen also all jene Bestrebungen beachtet werden, die dazu führen, das was bisher gemeinsam erreicht wurde, wieder zu zersetzen und umzufunktionieren. Das Auseinan­ derfallen der besonderen Solidarität der Teilnehmerstaaten kann un­ bemerkt auf mehreren Wegen erreicht werden. 178
        

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