Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/15/
keit. Sodann jene anderen Situationen, in denen er bekämpft wurde, wo er keine Chance mehr zu haben schien, wo man ihm — wie oft schon?! — das Ende voraussagte; aber auch die Zeiten, da er neu aus der Asche aufgestiegen ist.9 Wir werden es vor allem so versuchen, dass wir einige der grössten politischen Denker und Historiker anrufen werden, die sich den Blick für das Kleine auch bewahrt hatten, als die Welt «Grösse» mehr und mehr mit dem «Machtpotential» identifizierte und dem «Kult des Kolossalen» verfiel. Es sind wesentliche politische Einsich­ ten, die man allzuoft übersehen und dem raschen Vergessen ausgelie­ fert hat. Antike Eine hohe Zeit, ja in einem gewissen Sinne seine glorreichste Zeit, er­ lebte der Kleinstaat in der antiken Polis. Diese Polis war «ein ganz eigenes Produkt der Weltgeschichte» (Jacob Burckhardt). Die athe­ nische Polis der Blütezeit war gross in ihrer kulturellen Leistung, sie 8 Wesentliche Einsichten in diese historischen Zusammenhänge verdanke ich mei­ nem verehrten Kollegen und Namensvetter Werner Kaegi, dem Historiker und Schöpfer der monumentalen Biographie von Jacob Burckhardt, (Bd. I—VII, Basel 1947—1982), der während Jahrzehnten als Ordinarius für Geschichte an der Universität Basel gewirkt hat. Aus seinem weiteren Werk verweise ich vor allem auf die beiden Abhandlungen — mitten in der radikalen Bedrohung des Zweiten Weltkrieges erarbeitet und für eine weitere Öffentlichkeit bestimmt — Der Kleinstaat im europäischen Denken, Historische Meditationen, (Bd. I), S. 249ff., Zürich 1942, und, Uber den Kleinstaat in der älteren Geschichte Europas, Bd. II, Zürich 1946, S. 43ff. Eine umfassende Geschichte des Klein­ staates gibt es bis heute nicht; aber was Werner Kaegi bescheiden als «Andeu­ tung», als «Fragmente und Grundrisse» bezeichnet hat, (Vorwort, Bd. II, S. 5), ist weit mehr als das. Es ist, entscheidend angeregt durch den grössten Histo­ riker des Kleinstaates (insbes. in Griechenland und in der Zeit der Renaissance in Italien), Jacob Burckhardt, eine der schönsten Einleitungen und Anleitungen zum Studium der Geschichte des Kleinstaates. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist er zwar von vielen Wissenschaftern neu «entdeckt» worden. Jacob Burck­ hardt hat aber bereits im 19. Jhdt. — gegen den mächtigen Strom der «Gross- staaterei» — unbeirrt den Kleinstaat und seine Grösse und seine Möglichkeiten verteidigt. Und sein Biograph hat dies, geistverwandt und ebenfalls aus eigenem Erleben heraus, fortgeführt. Auch er musste gegen den «Kult des Kolossalen», der dem Kleinstaat nach einem weitverbreiteten Urteil keinerlei Chance mehr zu lassen schien, ankämpfen. Vgl. an Quellen vor allem auch: J. Burckhardt, Briefe, Vollständige und kritisch bearbeitete Ausgabe von Max Burckhardt, Basel 1949ff.; Emil Dürr, J. Burckhardt als politischer Publizist, Aus dem Nachlass von Werner Kaegi herausgegeben, Zürich 1937; Eine kleine sorgfältige Auswahl (von der Polis bis zum Kleinstaat im 19. Jhdt.) von Hanno Helbling; Jacob Burckhardt, Staat und Kultur, Manesse, 1972. 17
        

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