Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/149/
native: richten wir es uns doch unter den gegebenen Umständen so vernünftig ein, wie es geht. Vielleicht können wir aufgrund der dann gemachten Erfahrungen das gemeinsame Verhältnis vertiefen. Es ist klar, dass diese Politik der möglichen kleinen Schritte in erster Linie den Interessen der neutralen Teilnehmer am KSZE-Prozess entspricht, wenn sie im Wesen auch das Interesse aller Teilnehmer enthält.15 Die KSZE ist ein Ringen jenseits des Kampfes um Positionen der Stärke, abseits von der Hardware, in der dünnen Luft scheinbarer Nebensächlichkeiten, Marginalien zur Sicherheit. Während die Aus­ einandersetzung um strategische Positionen weitergeht, ja in den Zyklon überzugehen droht, der alles verschlingen kann, treffen sich die Teilnehmer hier in seinem stillen Auge, um sich hinter verschlos­ senen Türen die Frage zu stellen: was ist denn wirklich unsere Ab­ sicht? Die KSZE ist wesentlich diese Besinnung. Eine Besinnung, die meist wiederum jenseits von Argumenten im scheinbar absurden War­ ten zu erfolgen hat. Die Frage, die gestellt werden muss, lautet also: wie ist es möglich, Gegner und Allianzsysteme, die auf gegenseitige Aufhebung programmiert sind, so an einen Tisch zu bringen, dass sie eingestandener- oder uneingestandenermassen sich dieser Übung der Besinnung unterziehen müssen? Wie ist es möglich, sie dort zu halten? Gibt es Resultate? Wenn wir die Verkettung dieser innersten Motive des KSZE-Prozesses erfasst haben, stellt sich die Frage nach seiner äusseren Form, nach seinem Aufbau. III. Struktur des KSZE-Prozesses Sehr viel Hartnäckigkeit und Geduld war nötig, um den KSZE-Pro­ zess in jene Form zu giessen, in der er sich, dem Ablauf seiner inneren Dialektik entsprechend, «ohne Sieger und Besiegte» fruchtbar voll­ ziehen kann. Noch mehr Hartnäckigkeit und Einsicht wird nötig sein, um ihn clurch die Einhaltung dieser Strukturen zu bewahren und damit seine Wirksamkeit sicherzustellen. Mit grosser Vorsicht haben sich die beteiligten Mächte an die Auf­ gabe herangetastet. Man darf vermuten, dass das Festhalten an unab­ 15 Mit «neutral» wird hier ein weiterer Kreis angesprochen, als jene Staaten, die ihre Neutralität völkerrechtlich erklärt haben. Das Wort bezeichnet unter den Teilnehmern in erster Linie jene Staaten, die sich an der strategischen Rivalität in Europa nicht beteiligen. 156
        

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