Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/140/
Sicherheit, verbunden mit einer elastischen Fähigkeit, auf jeder Stufe eines Angriffs zu einem angemessenen Gegenschlag oder wenigstens einer glaubhaften Gegendrohung auszuholen. Der Entspannungsdialog wird daher im Sektor Sicherheit nur ausser­ ordentlich langsam vorankommen und marginale Resultate bringen. Hier müssen andere Realitäten überzeugen. Hier geht es um Hard­ ware, d. h. um die Möglichkeit, die Spannung auch anheben, den Kon­ flikt notfalls auch einseitig entscheiden zu können. Die Entspannungs­ politik betrifft zuerst nur Software, d. h. Gespräch, unverbindliche Aufklärung über die Absichten des Gegners, über seine Bereitschaft zur Kooperation. Auf die Dauer hingegen zielt die Entspannungspolitik, so marginal sie sonst erscheint, auf einen sehr zentralen Punkt, nämlich auf das Motivationszentrum des Rivalen. Entweder gilt es, diesen gegenüber seinen wesentlichen Sicherheitsinteressen einzuschläfern und zu täu­ schen (erste Variante), oder es geht darum, ihn zur Besinnung zu bringen, d. h. ihn in seiner aggressiven Rivalität, die das Verhältnis letztlich allein bestimmen will, umzustimmen (zweite Variante). Dabei kann man feststellen, dass beide Haltungen bis zu einer end­ gültigen Entscheidung im einen oder anderen Sinn nach aussen kaum zu unterscheiden sind und der eine vom anderen ständig erwarten muss, dass der Rivale vom potentiellen Partner wieder zum Gegner wird. Die ganze Kritik der westlichen Entspannungsgegner ist eine Warnung vor der ersten Variante. Die ganze östliche offizielle Kritik an der Entspannungspolitik ist eine Warnung vor der zweiten. Die östliche Führung ist also sehr präzis, wenn sie fürchtet, dass Entspan­ nung und Koexistenz mit Konvergenz verwechselt werden könnte. Die Warnungen, die von beiden Seiten erhoben werden, zeigen, dass in der Entspannungspolitik das eigene Motivationszentrum durch den Gegner berührt werden kann. Erst in dieser Berührung kann die Aus­ einandersetzung über den Inhalt der Entspannungspolitik erfolgen. 147
        

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