Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/139/
Die totalitäre Führung braucht keine Erklärungen abzugeben. Die Auseinandersetzung über die Zielsetzung ihrer Politik kann bis zu ihrer eigentlichen Verwirklichung verdeckt bleiben. Mit anderen Wor­ ten: Die Ambivalenz dieser Entspannungspolitik bleibt hier trotz allen öffentlichen Beteuerungen in Wirklichkeit bis zuletzt erhalten. Die Führung eines demokratischen Systems muss den ungeheuren Auf­ wand, den das Rivalitätsverhältnis tatsächlich bedeutet, nicht nur psychologisch rechtfertigen. Dies geschieht auch im totalitären System. Sie muss den hierfür nötigen Einsatz an Mitteln und das zielbewusste Verhalten von der eigenen Öffentlichkeit bestätigt erhalten. Die demokratische Führung kann vor ihrer Öffentlichkeit also nur mit dem Argument des 
minimal absolut notwendigen Einsatzes bestehen. Sie wird hierauf durchleuchtet und im Budget, besonders auch im Wehretat, festgelegt. Der demokratischen Führung bleibt also nichts anderes, als ihre Bereitschaft zur milderen, zur weniger entscheidenden Deutung des Entspannungsverhältnisses von vorneherein bekanntzu­ geben. Das ist aber für den anderen Pol vorerst schon ein Signal mit bestimmter Wirkung! Unter der Voraussetzung, dass die eigentliche Stärke, die Kohärenz und die Überlegenheit einer demokratischen Gesellschaft der totalitären Führung nicht eindrücklich bekannt sind, bedeutet dies direkt eine Aufforderung an sie, bis zum Beweis des Gegenteils mit der harten Lesart des Begriffes Entspannung weiter­ zufahren. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Missverständnis über den gültigen Sinn des Wortes Entspannung zwischen zwei derart verschiedenen Führungsstrukturen Uberhand gewinnt, ist also nicht gering. Ja, diese Wahrscheinlichkeit muss vorausgesetzt werden, wenn man den Dialog verantwortungsvoll im Sinne der friedlichen Auflösung des Rivali­ tätsverhältnisses führen will. VII. Zentrale Folgerungen Selbstverständlich zeigen die bisherigen Überlegungen ein Modell der Entspannungspolitik in analytischen Zügen. Daraus kann man jedoch folgendes erkennen: Die Entspannung ist etwas Sekundäres. Sie kann zwischen zwei Rivalen, die sich bedrohen oder bedroht fühlen, erst eintreten, wenn jede Drohung für den Angreifer selbst immer wieder sinnlos wird. Das Primäre, das Entscheidende ist also die eigene 146
        

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