Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/137/
Täuschung oder Loyalität zum Rivalen? Zwischen beidem liegt ein Punkt der Umkehr, den jede Seite angesichts der Möglichkeit, durch eine Eskalation der Spannung einen Gewinn einzustreichen, in eigener Verantwortung finden muss. Das Entspannungsverhältnis ist bis zu­ letzt bipolar, und jeder Pol kann, da er ja nicht durch eine Niederlage bezwungen wurde, bis zuletzt die eine der beiden Zielsetzungen des Entspannungsprogrammes — Einlenken oder Täuschung — 
selbst bestimmen. V. Auflösung der Ambivalenz So stellt sich die Frage nach eindeutigem Ziel und Gehalt der Ent­ spannungspolitik. Erst wenn beide Pole die gleiche Zielsetzung akzep­ tieren, endet der Entspannungsvorgang in einem neuen Verhältnis: entweder mit der Niederlage des einen resp. des anderen Rivalen, oder zunehmend in einer, echten Kooperation beider in jenen Gebie­ ten, in denen ihre Sicherheit nicht bedroht ist. Im Zentrum des Ent­ spannungsvorganges steht also nicht mehr ein blosses Problem der Macht, sondern eine Frage, die mit einer gewissen staatsmännischen Einsicht in das Verantwortungsbewusstsein des Gegners ausgelotet werden muss. Die Frage lautet: Meint es der Gegner ernst? Ist echter Wille zur Verständigung unter Berücksichtigung der gerechten Inter­ essen beider zwischen uns möglich? Oder sind wir Gefangene einer katastrophalen Entwicklung, die wir beide nicht wollen? Hier, in dem vollen Bewusstsein: Es gibt nur noch eine Alternative, die wir beide nicht wollen, werden die Pole der Entspannungspolitik umkehrbar.7 Echte Entspannungspolitik ist also eine Gratwanderung zwischen den eigenen Interessen, den dem Konflikt übergeordneten gemeinsamen Interessen, und einem Abgrund — Täuschung durch den Rivalen. Sie bewegt sich einem schmalen Rand entlang, bis ein Zustand erreicht 7 Es zeigt sich, nebenbei bemerkt,- auch der beschränkte Wert der Auffassung, die Entspannüng , könne durch-den Test 'verifiziert werden. Wohl können die beiden grundsätzlichen Haltungen nach aussen erst durch den Test, also wenn sie verifizierbar sind,- unterschieden werden. Der Test stellt aber einen Vor­ schubs an' Vertrauen in die Loyalität des Rivalen dar. Er kann daher meistens nur in einem marginalen. Rahmen gegeben werden. Die Bereitschaft zum Test ist also meist nur ein Signal an den Gegner, auf ein Entspannungsmänöver ein­ zugehen. Es muss mehr'als 
Jein Test'vorliegen^ Es muss" die Marke vom Täu­ schungsmanöver zur Loyalität erkennbar überschritten werden, damit Ver­ trauen aufgebaut werden kann. 144
        

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