Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/134/
der neue Name für Friede. Entspannungspolitik gehört in das Kapitel Krisenmanagement. Sie ist bestenfalls eine Vorstufe, ein Element des Friedens, ein Augenblick der Besinnung, der im Moment akuter gegen­ seitiger Bedrohung von beiden Seiten eingehalten wird, um noch Schlimmeres zu verhindern. Dies setzt auf beiden Seiten Verantwor- tungsbewusstsein, Wachsamkeit und effektive Kontrolle der Lage voraus. Dann kann, um ein Bild zu gebrauchen, zwischen zwei Syste­ men, die miteinander rivalisieren und die in unvermittelter Reaktion explodieren müssten, so viel Dampf abgelassen werden, dass das Ver­ hältnis weiterbesteht. Was in früheren Zeiten als ein Moment des Abwartens zwischen zwei akuten Phasen der Auseinandersetzung registriert werden konnte, wird unter dem Druck der atomaren Be­ drohung zu einem Zustand gedehnt, der seine eigenen Gesetze hat. Aus der Momentaufnahme eines Waffenstillstandes wird eine mit der Zeitlupe feststellbare Bewegung. Der Sinn der folgenden Seiten ist es, den Verlauf dieser Bewegung in einzelnen Phasen erkennbar zu machen. 2. Entspannung setzt eine bestimmte Ausgangslage unter den Rivalen voraus, nämlich die Erkenntnis, dass sich durch weiteres einseitiges Anheben der Spannung nichts gewinnen lässt, dass der Gegner in der Lage ist, dasselbe zu tun, und dass durch dieses Vorgehen für beide Teile der Moment näherrückt, wo beide über die Grenze ihrer Lei­ stungsfähigkeit in die 
Zone der Erschöpfung (Entropie) resp. der Zer­ störung geraten. Eine Feststellung des 
Unentschieden ist also 
für beide von Vorteil, und wie der andere, oft beschworene Satz heisst: «Die Entspannung ist die einzig vernünftige Alternative.» 3. Sofern nicht einer wirklich einlenkt, läuft das Rivalitätsverhältnis hernach begrenzt weiter und die Frage stellt sich, ob es begrenzt bleibt oder ob die Spannung wieder gefährlich steigt. Jeder Rivale wird versuchen, auf Nebengeleise auszuweichen, um sich im Zeichen der Entspannung indirekt weitere Vorteile zu sichern, dort, wo sie für den anderen weniger kritisch sind. Es zeigt sich also ein bestimm­ tes Verhaltensmuster. Entspannung kann und darf vorerst 
wesent­ liche Interessen, also echte Sicherheitsinteressen (essentials) der Riva­ len nicht berühren oder verändern. Sobald die Rivalität auf Um­ wege ausweicht, werden Nebengebiete latent kritisch. Die Entspan­ nungspolitik erstreckt sich also zuerst auf einen 
marginalen Spielraum und bleibt von den wirklichen Sicherheitsinteressen her gesehen 
stän­ 141
        

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