Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/132/
Was soll in diesem Zusammenhang das Wort «Entspannung»? Werden die Helden müde, lassen sie die Waffen sinken? Oder handelt es sich um eine neue Kriegslist des einen oder des anderen? Nur in voller Kenntnis aller dieser Umstände, dieser gewaltigen Interessengegen­ sätze, des ans Ubermenschliche grenzenden Einsatzes von Energie und Mitteln, dieser Abgründe von Gewalt, Angst, Leid und Schuld — von Hass wollen wir nicht mehr sprechen; er führt in dieser Situation nicht weiter — kann man auch einmal an Entspannung denken. Man kann sich im vollen Bewusstsein der eigenen, gewiss relativen Stärke und in der Entschlossenheit, die Prüfung, die einem durch den Willen des Gegners auferlegt wurde, auszuhalten, auch einmal fragen, wie es dem anderen zumute sein muss, wenn er nie zu seinem Ziel kommt. Das Spiel mit der Entspannung wurde durch Chruschtschows Begriff der friedlichen Koexistenz eingeleitet. Es sollte den Kalten Krieg ab­ lösen. Es wurde weitergeführt durch Breschnews Formel «Sicherheit und Kooperation». Beides entsprach immer auch der Idee: Klassen­ kampf mit anderen Mitteln. Dies war seit eh und je ein Element der russischen Politik. Seit Lenin, seit Molotow und Stalin, seit Rapallo geistert der Plan eines neutralisierten, wirtschaftlich starken, politisch dem Sowjetimperium gefälligen Westeuropa in den Diskussionen von ideal gesinnten Intellektuellen. Diese Art Entspannung wäre die schiefe Ebene, auf der man sich den Gedanken erlaubt, durch Wirt­ schaftshilfe an den Ostblock den Druck auf wesentliche Positionen des Westens auskaufen zu können. Der eigenen Führung ungewiss, durch verständnislose Medien verunsichert, durch Irrtümer, Konzes­ sionen und Abstriche erniedrigt, vermutet die öffentliche Meinung im Westen hinter der Entspannungspolitik oft zu Recht ein Manöver, mit dem irgendwelche Kreise ein Geschäft auf Kosten echter Sicher- heitsinteressen machen wollen. II. Grundsätzliche Analyse, Beginn Aber ist, so fragen wir, nachdem Lenin die Grundsätze der Entspan­ nungspolitik zuerst formuliert hat (Die Kapitalisten werden uns die Stricke verkaufen, an denen wir sie aufhängen), nachdem die Sowjet­ union es vorzüglich verstand, die Entspannungspolitik zu ihren Gun­ sten auszunutzen (Wechselbad: Spannung — Entspannung — Span­ nung, und Salami-Taktik: zwei Schritte vor, eine Konzession zurück), und nachdem der Westen sich leicht mit sich selbst zerstreitet, verrät 139
        

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