Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/125/
höherer Ordnung zusammen — oder sie gehen unter. Diese Grund­ einsichten des belgischen Physikers und Chemikers Ilija Prigogine wurden 1977 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet. Derartige Erkenntnisse sind natürlich geeignet, auch auf geisteswis­ senschaftliche und humane Disziplinen übertragen zu werden. In der Tat weisen Historiker darauf hin, dass kreative Minderheiten grosse Gesellschaften neu organisieren können: «Die historische Analogie ist so offensichtlich», sagt Prigogine. «Fluktuationen, das Ver­ halten kleiner Gruppen von Menschen können das Verhalten einer Gruppe insgesamt völlig verändern.»38 Unverkennbar setzt heute eine Wanderung weg von der grossen, imponierenden Masse hin zur Qua­ lität ein. Daniel Bell sieht in seinem Werk «Die nachindustrielle Ge­ sellschaft» nach einer eingehenden Analyse von Gesellschaft, Wirt­ schaft und Technologie die Auswirkungen auf den kulturellen Sektor der nachindustriellen Gesellschaft darin, dass sich die Gesellschaft vermehrt nach expressiven, sinnstiftenden Symbolen, geistigem Schaf­ fen und ethischen Grundsätzen ausrichten wird. Auch Bell sieht unter anderen die künftige gesellschaftliche Entwicklung in Richtung klei­ ner Einheiten; er nennt sie «kommunale Gesellschaft».39 Man könnte vereinfachend sagen, dass der gegenwärtige Trend, im Schatten töd­ licher Raketen der Grossmächte die Vorzüge kleiner humaner Ge­ meinschaften wieder zu entdecken und vermehrt zu schätzen, den Kleinstaaten günstig ist.40 Sie sind nicht in der Lage, artzerstörende, nukleare Vernichtungsmittel herzustellen. Damit wird Unvermögen ein Garant der Art- und Lebenserhaltung. Auch ökologisch muss der Kleine für Ordnung in der kleinen Wohnung sorgen. Ihm ist kein Rückzug in andere Zimmerfluchten des Welthauses möglich. Die Steigerung der eigentlichen Lebensqualität aber, die Vertiefung in die Sinnzusammenhänge des Daseins, die Orientierung an expressi­ ven Symbolen, die Aufwertung kulturellen Schaffens bei geringerem Einsatz für blosse Existenzsicherung und gleichzeitigem Zuwachs an Freizeit und Freiheit — all das sind Hoffnungen, um deren Verwirk­ lichung im Kleinstaat zu arbeiten es sich lohnt. 88 Marilyn Ferguson, Die sanfte Verschwörung, Neue Dimensionen, Basel 1982, 193f. S9 Daniel Bell, Die nachindustrielle Gesellschaft, Rowohlt, 1979, 29f., 351ff., 363ff. 40 Gerard Batliner, Strukturelemente des Kleinstaates — Grundlagen einer liech­ tensteinischen Politik — ein Versuch, Liechtenstein Politische Schriften, Band 1, 11 ff.; derselbe, Zu heutigen Problemen unseres Staates, Liechtenstein Politische Schriften, Band 6, 1976, 197ff. 131
        

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