Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/117/
Indessen ist keine Gemeinschaft so klein (bei richtiger Einschätzung des Individuums), dass sie sprachlos nach aussen und standortlos obendrein sein müsste und keine eigene Meinung haben dürfte. Wenn die Kleinen überhaupt nichts für die Welt tun könnten, müssten sie im Falle des Weltunglücks wie die Polizei zum Unfall kommen und einfach das Vorgefallene registrieren. Dem aber kann nicht so sein: die Völkergemeinschaft kennt nicht die Passivmitgliedschaft. Die sachliche Argumentation wirkt allenthalben, auch wenn sie aus einer kleinen Ecke kommt. Man rate deshalb Liechtenstein nicht, im Zei­ chen eines sogenannten politischen Realismus, zu wesentlichen Pro­ blemen der Welt zu schweigen und fatalistisch auf die verordnete Zukunft zu warten, sozusagen auf dem Teppich bleibend (unter den unsere Gesellschaft soviel Unrat gekehr hat). Es wäre ein tödlicher Irrtum, zu glauben, es genüge, Liechtenstein als Staat auf Briefmar­ ken zu vermerken und sich dafür noch bezahlen zu lassen. Der Kleinstaat ist noch von weiteren negativen Elementen bedroht. Ihm fehlt für Ideen und Aktionen eine eigentliche Breitenwirkung. Jede Welle bricht schon im Entstehen am Grenzzaun. So droht das Mässige bisweilen ins Kleinliche umzukippen. Enge Grenzen begün­ stigen beschränkte Ansichten. Die Zustimmung der Gesellschaft ist nie gross, auch nicht die Verweigerung. Resonanzlosigkeit ist in klei­ nen Gemeinschaften eine latente Gefahr. Man lässt es geschehen; man kennt ihn, der das sagt. Und da man alle kennt, ergreift man fast nie die nasskalten Hände falscher Freunde. Das mag als mensch­ lich empfunden werden. Manchmal aber wirkt vieles mickerig. Die vermeintliche Kalkulierbarkeit der Gesellschaft kann zu unterkühl­ ten Verhältnissen führen, in denen Spontaneität, Herzlichkeit, Offen­ heit und Verständnisbereitschaft leiden. Das Fremde und der Fremd­ ling stehen dann weit abseits, in einen Dunst von Misstrauen und Verdächtigungen gehüllt. Es gibt nur ein Da. Dort ist schon das Ausland. Eines der schwierigsten Probleme des Kleinstaates, besonders des Mikrostaates, scheint heute der Aufweis, das Selbstverständnis der staatlichen Gemeinschaft, die Schaffung einer eigentlichen Identität zu sein. Alle Vorstufen staatlicher Eigentümlichkeiten können bei Kleinstaaten verhältnismässig eindeutig wahrgenommen werden: Existenzmöglichkeit für das Individuum, menschliche Gemeinschaft, wirtschaftliches Gedeihen der Gesellschaft, Sicherheit für die Be­ 123
        

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