Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/115/
Dass bei derartigen Voraussetzungen die geistig-kulturellen Belange, wie etwa Kunst und Wissenschaft, einen ganz besonderen Stellen­ wert gewinnen, scheint jedermann einsehbar zu sein. Bevor wir uns aber dieser Fragestellung zuwenden, wird es nützlich sein, die Gefah­ renquellen, die dem staatlichen Kleingebilde dauernd zu schaden drohen, aufzuzeigen. Die positiven Aspekte der Kleinstaaterei sind schon wiederholt dargestellt worden. Es muss deshalb wenigstens an­ satzweise und stichwortartig auf ambivalente Verhältnisse und auf die Kehrseite der Medaille verwiesen werden. Umso mehr wird dann die Bedeutung der Kulturpolitik im weitesten Sinne des Wortes als lebensnotwendig erkannt werden. Geistig-kreative Arbeit ist eine von der Grösse der Gesellschaft weitgehend unabhängige Tätigkeit. Ferner scheint die eigentliche Kreativität nach wie vor eine Aufgabe und Auszeichnung des Individuums zu sein und dies trotz Koordina­ tionsausschüssen und Teams in der vibrierenden Wirrnis unüberschau­ barer Agglomerationen. Das Profil des Einzelnen kommt in kleinen Gemeinschaften deutlicher zur Darstellung. Der Einzelne trägt in kleinen Verhältnissen mehrerlei Verantwortung. Wo normalerweise Tausende von Schultern zum Tragen bereitstehen, liegt in Small- Verhältnissen die ungeteilte Last auf einer Schulter. So wird der Ein­ zelne in einem breiten Spektrum von Verantwortungen gefordert, manchmal überfordert. Damit aber stehen wir schon mitten in der Problematik kleinstaatlicher Existenz. Dass der Kleinstaat ein anfälliges Gebilde ist, beruht schon in seiner Konstitution. Klein und schwach gehen wie Geschwister zusammen. Weil der Staat klein ist, ist er schwach. Alles Kleine tut sich gegen­ über dem Grösseren schwer. Derart erscheint die kleinere Gemein­ schaft gegenüber der grösseren im Nachteil zu sein. Schon der rein materielle Umfang wird allgemein als eine spezifische Qualität ein­ geschätzt. Die Waage schlägt bei Ungleichgewicht deutlich aus. Der quantitative Aspekt benachteiligt den Kleinen. So sind z. B. die Reserven des Mikrogebildes im Verhältnis zu grösseren Sozietäten bald erschöpft, während die wuchtende Masse der Grossen durch die Eigendynamik — selbst beim Versagen ganzer Verwaltungszweige und Bevölkerungskreise — immer noch in ungebrochener Wirkung weiterrollt, als ob Plan und Ordnung ineinandergriffen und der Staat intakt wäre. Mit anderen Worten: Kleine Gemeinschaften sind allem Unbill der Entwicklung viel intensiver und unvermittelter ausgesetzt 121
        

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