Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/114/
Ersten Weltkrieg herausführen sollten. Der Zollvertrag mit der Schweiz von 1923 stellte neben vielen anderen glücklichen Umstän­ den das Fundament einer vorteilhaften wirtschaftlichen und politi­ schen Entwicklung des Kleinstaates dar. Die Wirtschaftskrise der dreissiger Jahre und die gefahrvolle Zeit der nationalsozialistischen Bedrohung, sowie die Düsternis des Zweiten Weltkrieges (1939— 1945) überwand Liechtenstein an der Seite der Schweiz. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte ein wirtschaftlicher Aufstieg bei stabilen politischen Verhältnissen. Die gesellschaftlichen Voraussetzungen zur Gestaltung kulturpolitischer Fragen waren gegeben. Die Frage aber, ob wirtschaftliche Prosperität kulturelle Bedürfnisse weckt, kann nicht im Sinne einer linearen Logik von Ursache und Wirkung be­ antwortet werden. Schwächen und Gefahren Im Blick auf das rein Materielle scheint der Kleinstaat vorwegs auf Eigenbedarf ausgerichtet zu sein. Die von Aristoteles geforderte Autarkie als Kriterium staatlicher Existenz besitzt nach wie vor grosse Aktualität. Das Ganze ist auch in kleinen Einheiten mehr sich selbst genügend als der Teil.29 Autarkie ist jedoch nicht absolut zu verstehen, sondern sie gilt innerhalb eines Bezugssystems autonomer Gemeinschaften. Im Materiellen soll die Gemeinschaft also hinrei­ chende Voraussetzungen aufweisen, um sich selbst zu genügen. Diese Autarkie kann im Geistig-Kulturellen bei genügender Kreativität der Glieder einer Gemeinschaft überstiegen werden. Ich meine, dass in der Möglichkeit des Uberstiegs eine der grossen Chancen kleiner staat­ licher Gebilde liegt: Der Stadtstaat Athen hat in geistigen Belangen mehr zustandegebracht als der uniforme Koloss des Römerreiches. Die zeitgemäss gewordene Einsicht, dass «klein schön ist», kann den Kleinstaaten nur recht sein. Der Hang hin zur Qualität und der Ab­ schied von materieller Menge oder mindestens das Misstraüen gegen­ über blosser Quantität erscheint manchem politischen Denker wenig­ stens modellhaft erstrebenswert zu sein. 29 Vgl. die in Anmerkung 2 angeführte Literatur, besonders die Werke von Leo­ pold Kohr; ferner Graf Mario von Ledebur-Wicheln, Die optimale Dimension, Ein Problem der politischen Philosophie, Liechtenstein Politische Schriften, Band 6, 29, 44ff. 120
        

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