Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000012263/100/
Zugleich aber behielt der Fürst die Führung der Aussenpolitik in seiner Hand — anders als der Rheinbund wurde der Deutsche Bund als politisches Forum allein Sache des Herrschers, auch wenn der letzte Bundestagsgesandte Linde seinerseits dessen Politik bestimmte. Das aber entzog das Selbstverständnis des Landes weitgehend den schwankenden Ereignissen der Tagespolitik — am Bund interessier­ ten nur die Seiten, die unmittelbar für das Land wirksam waren. Zugleich aber wurde durch diese Konstellation der Fürst dem Hader entrückt; trotz einzelner (teilweise starker) Konflikte blieb seine Person stets unantastbar. Damit aber stand Liechtenstein abermals in einem deutlichen Gegensatz zu vielen anderen kleinen deutschen Staaten. Die Distanz der Dynastie zum Land Hess deren Prestige unangetastet, ermöglichte aber dennoch dem Land eine relativ unge­ störte Entwicklung. Landvogt und später Landesverweser bildeten einen Puffer, hinter dem der Landesherr in einer halb schiedsrichterlichen Rolle stand. Von den bürokratischen Reformen Schupplers bis zur Rolle Hausens als quasi-konstitutioriellem Minister war es ein weiter Weg, und der Spannungen zwischen Landvogt und Land gab es viele. Aber sie erfassten niemals die Fürsten. Deren Rolle bleibt beim heutigen Stand der Forschung freilich noch etwas schemenhaft. Der Autokrat und Militär Johann I., geprägt vom josephinischen Geist, stand dem Tal des Rheines relativ fern. Interessant die Gestalt des Fürsten Alois II., der dazu berufen schien, eine neue Ära in Liechtenstein einzuleiten: schon für ein konstitutionelles Zeitalter geboren, Verfechter einer Stabilisierung durch Reform, jedoch darin stark dem neuen neoabso­ lutistischen Österreich verbunden. Johann II. schliesslich, dem eine lange Regierung beschieden war und der den Durchbruch zu einem moderneren Typ des Konstitutionalismus ermöglicht hatte. Die Gene­ rationenabfolge der Herrscher hat nicht zuletzt ebenfalls als ein bestimmender Faktor auf die Entwicklung im Lande eingewirkt. Wenig wissen wir über die Binnenstruktur der liechtensteinischen Gesellschaft, die Verklammerung der Notabein, die eigentliche Rolle des Klerus in einer patriarchalischen Gesellschaft, die sich sichtlich und zunehmend modernisierte. Sehr deutlich wird am Beispiel Liech­ tensteins der gesamteuropäische Vorgang einer immer stärkeren und immer bewussteren Mitsprache breiter Kreise, gleichsam einer lang­ samen, unmerklichen Demokratisierung der Gesellschaft — an deren 105
        

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