Nach Art. 30 sind die Mitglieder des Verwal- Unter dem 11. Februar 1926 schloß über Beschluß 
tungsrates und der Kontrollstelle, sowie der Ver- des Landtages die fürstliche Regierung einen neuen 
walter für. ihre Tätigkeit insbesondere für die strikte Lotterie-Konzeßions-Vertrag, mit einem Herrn, der. 
' Beobachtung des' Gesetzes, der sonstigen gesetzlichen sich Geheimrat Josef. Paul Grüßer aus Amsterdam 
Vorschriften und des Geschäftsreglementes sowie die nannte, und sich als Vertreter der Firma John von 
Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmannes bezw. eines. Glahn & Co. in New-Pork ausgab, und sich erbot, 
■ ordentlichen. Revisors verantwortlich. die begonnene Lotterie auf seine Verantwortung - zu 
f Ende zu führen, falls ihm eine neue Konzession für 
Die Abwicklung der Geschäfte bei der Spar- und einige Jahre erteilt würde. 
Leihkasse, Landesbank in Vaduz, ordnet das.von der 
• fürstlichen Regierung unter dem 16. Juli 1924 geneh- Auch bei dieser Lotterie, die sich Zentrofag (Zen- 
migte Geschäftsreglement vom 6. 10. 1923. tral-Europäische-Finanz-Aktien-Gesellschast - in Vaduz) 
- nannte, sollte die. Landesbank den gesammten Geld- 
Im Februar 1924 wurde der Angeklagte Thöny verkehr besorgen. Auch sollten dort wie früher die 
Franz vom Verwaltungsrat der Spar-und Leihkasse Lose aufbewahrt werden. Thöny war als Verwal- 
zum' Verwaltungsrat gewählt. ter der Sparkasse das berufene Organ diese Geschäfte 
-zu besorgen. 
Er hatte vorher nach Absolvierung der Sekundär- 
- schule (Landesschule) bei diesem Institute eine Lehre Nach einigen Monaten ; geriet auch dieses Lotte- 
: durchgemacht, diente dann weiter bei dieser Anstalt und rieunternehmen in Schwierigkeiten, da auch hier die 
genoß dann, eine 7 monatliche weitere Ausbildung bei vertraglichen Bestimmungen über die Geldeinlagen 
; der St. Gallischen Kantonalbank Filiale in Mels. nicht eingehalten waren und die Herren G.eorl 
Sein Gehalt als Verwalter der Sparkasse betrug im Bauer, einer der Hauptaktionäre der ersten Klassen- 
i ersten Jahre frs. 5.000.— und sodann frs. 6.000.— lotterie, sowie Josef Paul Grüßer und Fritz Stapper 
erschienen in einem immer mehr schiefen Lichte; die 
Der Angeklagte Walser betätigte sich im politischen Weiterführung der ersten Klassenlotterie, durch die 
' Leben, war Landtagsabgeordneter und Mitglied des--Zentrofag erwies sich schon im Herbste 1926 als un° 
I Gemeinderates von Vaduz und wurde vom Landtage möglich und es mußte sogar die Kaution von frs. 
im Jahre 1922 zum Mitglied der Kontrollstelle der 100.000 freigegeben werden, damit die Käufer der 
Spar-und Leihkasse gewählt. Lose zur dritten Ziehung schadlos gehalten werden 
1 i • ri ; '| ;i '' i ' i > ["¡'■| ! rn”"! r-|—i"| konnten, weil der Verwaltungsrat der Zentrofag 
Walser unterhielt schon ab 1914 freundschaftliche geltend machte, daß die eingegangenen Losgelder für 
- Beziehungen zu Thöny Franz. welche durch die Wahl die Unkosten verbraucht worden seien und anderwei- 
i zum Kontrollorgan der Sparkasse sich noch enger ae- tig kein Geld zur Schadloshaltung der Loskäufer zur. 
stalteten. ' ' Verfügung stehe. 
Wàlsèr Anton hätte auch Beziehungen zu Niko 
Beck, der in Lachen ein Holzhandelsgeschäft betrieb 
und dort 1926 in Konkurs geriet und der sich Walsers 
bei Holzgeschäften wiederholt bediente, während Walser 
ihm gegenüber in anderer Weise'sich erkenntlich zeigte. 
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Carbone Rudolf war Prokurist bei der Holzhan-7 
dels A" G. in Zürich, dort hatte ihn Niko Beck ken 
nen gelernt und ihn für einen gewiegten. Kaufn rann 
mit sehr vorteilhaften Beziehungen gehalten, deren 
sich Carbone selbst -rühmte und die er auch teilweise 
besaß.. Am 1. September 1925 hat die Regierung des 
Fürstentums Liechtenstein im Einvernehmen mit der 
Finanzkommissiön des Landtages mit der -Bank Sau 
tier & Co. A. G. in Luzern, und der Betriebs-Union 
in Triesenberg.. beide vertreten durch Dr. Wilhelm 
Beck. Rechtsanwalt in Vaduz, einen Vertrag ails 
Bewilligung zur gemeinsamen Errichtung und Durch 
führung einer Klassenlotterie in Liechtenstein abge 
schlossen. wobei-nach Art. 6 des Vertrages die Spar- 
. und Leihkasse, in Vaduz den ganzen Geldverkebr für 
und mit der Klassenlottcrie ?u besorgen haben sollte. 
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Diese Klassenlotterie fiel jedoch infolge mangeln- 
! der Finanzierung schon im Jänner 1926 vor Durch 
führung der dritten Klasse in sich zusammen. 
Walser war bei dieser. Klassenlotterie als Berater 
zugezogen und zwar mit einem Salär von frs. 1000.— 
monatlich. Er vermochte auch den Niko Beck Mit einem 
Monatsbezug von frs. 600.— bei der Zentrofag unter 
zubringen, doch ließ seine Erkrankung Niko Beck wieder 
aus dieseip Geschäfte heraus, sodaß einstweilen der 
Kontakt mit Walser wieder verloren ging. 
Doch schon wieder, im September desselben Jah 
res (1926) begannen die persönlichen Beziehungen zwi 
schen den Beiden von neuem. 
Walser wendete sich telefonisch an Beck mit der 
Anfrage, ob er nicht einen- Geldinteressenten für das 
Projekt einer Rumänischen Klassenlotterie wüßte. Beck 
ging auf die Anregung Walsers ein und nun ent 
wickelten sich zwischen Walser, Thöny -und Beck, zu 
denen sich später auch noch Carbone gesellte, eine ge 
meinsame Tätigkeit, als deren Produkt sich für die 
Spar-und Leihkassa Liechtensteins eine.Schadenssum 
me ergab, die zu einer .Katastrophe für dieses Insti- 
stnt hätte führen müssen, wenn nicht - Fürst, Land 
und Gemeinden noch zur rechten Zeit durch ihre 
Stützungsaktion das Unglück abgewendet hatten. 
Franz Thöny hatte als Besorger der Zahlstelle 
für die. Klassenlotterie in Liechtenstein auch mit den
        

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