Stenographischer 
verhan-lungs-Serîcht 
aus Sem Kriminalprozeß gegen Zranz Thöap, tliko Seck, /lnton Walser und Ruöolf Carbone. 
24. Ausgabe. Dienstag, 10. Dez. 1020. 
Herr Präsident, 
Geehrte Herren Kriminalrichter! 
2m Namen meines Klienten Nico Beck stelle ich 
folgenden Antrag: Beck sek von Schuld und Strafe 
frei zu sprechen, eventuell sei er milde zu bestrafen und 
die Strafe als durch die Untersuchungshaft verbüßt zu 
betrachten. Subeventuell sei ihm für die von ihm zu ver 
büßende Strafzeit bedingte Entlassung zu gewähren, und 
endlich: Es sei die Zivilklage auf den Zivilweg zu ver 
weisen, soweit mein Klient sie nicht ausdrücklich aner 
kannt hat. 
Meine Herren. Die persönliche Befragung der An 
geklagten der letzten Woche hat ergeben, daß Ihr Gericht 
ganz außerordentlich gut über die tatsächlichen Verhält 
nisse, die dem Fall zu Grunde liegen, orientiert ist. Nach 
dem ich weih, daß Ihr Gericht so gut orientiert ist, und 
nachdem meine beiden Herren Vorredner in so ausgezeich 
neter Weise auch noch die rechtliche Sekte des Falles be 
leuchtet haben, könnte es als eine Anmaßung erscheinen, 
noch als Dritter aufzutreten und die sämtlichen Fälle 
nochmals zu beleuchten. Wenn ich trotzdem spreche, so darf 
ich Sie versichern, daß ich es nicht nur etwa deshalb tue, 
weil es meine Pflicht ist und' weil ich das Mandat über 
nommen habe, vielmehr tue ich es aus dem Grunde, weil 
ich glaube, daß wir Verteidiger Ihnen nicht. genug ein 
hämmern und wiederholen können, daß diese 4 Männer, 
die auf der Anklagebank sitzen, — und ich denke fetzt be 
sonders an meinen Klienten Nico Beck — keine Delin 
quenten sind. Ich habe kürzlich mit einer jungen Dame, 
die hier im Gericht arbeitet, gesprochen und sie hat mir 
; ihr Erstaunen darüber ausgedrückt, daß die Männer die 
auf der Anklagebank sitzen und vor allem Nico Beck, so 
.gor nicht wie Verbrecher aussehen. Ich habe ihr gesagt: 
.Die Antwort auf Ihr Bedenken ist einfach. Die 4 
Männer sehen deshalb nicht aus wie Verbrecher, weil sie 
keine sind." 
Bevor ich auf das eigentliche Thema und die ein 
zelnen Fälle eingehe, möchte ich vorausschicken, daß auch 
ich mich jeder Politik enthalten möchte, insbesondere, weil 
mein Klient, der zu keiner der politischen Parteien dieses 
Landes gehört, — er wohnt ja eigentlich kn der Schweiz — 
kein Interesse hat, sich irgendwie in die Angelegenheiten 
des Landes einzumischen. Ich muß zwar offen gestehen, 
daß, nachdem ich 14 Tage hier in Vaduz gewohnt habe, 
es mich juckt, genau so, wie es Herr Dr. Guntli schon 
getan hat, den Parteien zuzurufen: .Macht doch Frieden 
und reicht Euch die Hände." Ich will aber diese Sache 
nicht näher berühren, weil ich ja damit nichts zu tun habe. 
Ich will in zweiter Linie vorausschicken, daß ich mich 
bemühen werde, auf die andern Mitangeklagten keine 
Steine zu werfen. Ich danke dem Herrn Kollegen Huber, 
daß er es vermieden hat, meinen Klienten irgendwie zu 
belasten. Ich muß aber anderseits meinem Bedauern 
darüber Ausdruck verleihen, daß meine beiden Kollegen 
Herr Dr. Ditscher und Herr Dr. Guntli versucht haben, 
besonders meinen Klienten Nico Beck zu belasten, um 
ihre beiden Klienten dadurch etwas herauszustreichen. So 
hat Herr Dr. Ditscher kn seinem Gesuch um ärztliche 
Untersuchung des Larbone die Frage angetönt, ob nicht 
Nico Beck auf Larbone einen ganz besondern Einfluß ge 
habt habe. Damit wollte er wohl sagen, daß mein Klient 
letzten Endes für die Handlungen des Larbone verant 
wortlich gemacht werden könne. Ich möchte darauf nicht 
näher eingehen, sondern Ihrem gesunden Urteil die Be 
antwortung überlassen. Ich darf aber vielleicht doch an 
deuten, daß die Ansicht des Herrn Dr. Ditscher immer 
hin etwas eigentümlich ist, wenn man bedenkt, daß Larbone 
von den Wechseldkskonterlösen außerordentlich viel Geld 
für sich behalten hat, entgegen dem Willen meines Klienten. 
Ja, meine Herren, wenn Larbone derart unter dem Ein 
fluß meines Klienten gestanden hätte, so hätte er ganz ge 
wiß die großen Beträge, die er zurückbehalten hat, nicht 
zurückbehalten können- sondern Beck übergeben müssen, der 
sie dann der Landesbank hätte zur Verfügung stellen 
können. 
Bedauert habe ich auch, daß Herr Dr. Guntli meinen 
Klienten zu- Gunsten Walsers belasten zu müssen glaubte. 
Er hat angetönt, daß mein Klient eigentlich der Anstifter 
für die Wechselbegebungen km Dezember 1926 und Ja 
nuar 1927. Ich werde auf diese Frage an der geeigneten 
Stelle noch zurückkommen, möchte aber nur eine Frage 
stellen: Was hätte mein Klient für ein Interesse gehabt, 
den Walser zur Wechselbegebung anzustiften, wo doch aus 
den Akten und der persönlichen Befragung hervorging, 
daß mein Klient von der ganzen - Angelegenheit nichts 
profitiert hat. Ich glaube im Gegenteil und das muß 
ich hier ausdrücklich betonen, daß wohl mein Klient, wie 
auch Thöny, unter dem gewaltigen Einfluß Walsers standen, 
genau so, wie Herr Kollege Huber erklärt hat, daß das 
ganze Land Liechtenstein zu einer gewissen Zeit unter dem
        

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