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, Beck: Fällig sei und daß sie dafür besorgt 
sein sollen, ihren Teil einzulösen. Dr. Schäler 
berichtete, der Wechsel werde prolongiert. Es 
war dys aber nicht wahr und Thönh mußte am 
20. Januar den Wechsel bei der Basler Handels 
bank einlösen, während dem auf der anderen Sei 
te bei der Bussebank noch das Guthaben vorhan 
den war. Diese stellte sich aus den Standpunkt, 
sie wäre doch nicht verpflichtet, zurückzuzahlen, 
der Betrags sei noch auf 6 Monate gesperrt. 
Präsident: Gut, nun ist auch dieses Rathe- 
Steinsördegeschäft erledigt. 
-Wir haben von Carbone vernommen, daß sich 
in den ersten Januartagen 1928 ein. kleines In 
termezzo zwischen Ihnen und Carbone abgespielt 
hat. Wollen Sie uns darüber berichten.^ 
Beck: Sie müssen entschuldigen, Herr Präsi 
dent, ich muß mir die verschiedenen Daten etwas 
überlegen, wie die Sache ist. Also am 4. Januar 
1928 schreibt Carbone an Thönh. Es spielt hier 
nämlich eine andere Sache mit ein. Gleichzeitig 
beginnt dann auch das Koburggeschäft. AU diesem 
Zeitpunkt 1927 war auch Walser wieder aus Ru 
mänien zurückgekehrt und der Barmer Bankverein 
hatte auch Ende des Jahres seinen Kredit ge 
kündigt. Dabei.mußte Walser nach Düsseldorf fah 
ren, um die Sache in Ordnung zu bringen. Wal 
ser wollte aber nicht hinfahren aus taktischen 
Gründen und man befragte mich, hinzufahren. 
Ich erinnere mich, es war an einem Sonntag, 
ich glaube, am 1. Jan., als ich von hier abfuhr 
mit der Vollmacht, mit dem Barmer Bankverein 
Abkommen zu treffen über die Verlängerung des 
Kredites. Ich reiste nach Düsseldorf und führte 
diese Verlängerung durch, wie es aus den Akten 
hervorgeht und reiste vorwärts nach Berlin, um 
mit Schäler wegen der Verlängerung des am 
20. fälligen Rathe-Steinsörde-Wechsels zu ver 
handeln. Bei dieser Gelegenheit besuchte ich Car 
bone. Carbone wollte angeblich wieder neues 
Geld. Ich besuchte ihn und dazumal war gerade 
bei der Bussebank der Skandal. Sie hatten Diffe 
renzen weger der Aktienmehrheit. Einige Tage 
waren die beiden Direktoren eingesperrt, es lief 
ein Strafverfahren gegen sie. Mich berührte die 
Sache weniger. Als ich eines Nachmittags zu Car 
bone ins Büro kam, um mit ihm über Verschie 
denes zu sprechen. Vorausschicken mutz ich, was 
vielleicht Carbone nicht weiß, daß inzwischen Milt 
ner sich an mich angelehnt hatte und mir vertrau 
liche Mitteilungen machte. So hatte er mir ins 
besondere mitgeteilt, daß Carbone ihm vollstän 
dig klaren Wein eingeschänkt hätte über die Lam- 
pengeschichte. Carbone hätte die Sachen schon nach 
allen Seiten hin verpfändet usw., er bedaure nur 
den Thönh,daß er so hereingefallen sei mit diesem; 
Mann. Ich schrieb dem Thönh einen ausführlichen 
Bericht über die Geschichte und Millner machte 
mich aufmerksam, daß Carbone nun grandios 
vorgehen wolle. Carbone werde nun ein Brief 
schreiben, ich werde ihn schon sehen, wenn 
ich ins Bureau komine, er werde einen Brief 
schreiben an Thönh, worin er ihm Angstmachen 
woM, um damit weitere 200.000 Franken von 
Thönh herauszupressen. Nun ging mir die Ge 
schichte bis zum Hals. Ich kam zum Bureau bei 
der Amroc. Carbone war nicht mehr der gleiche 
Mann. Er stellte sich mir gegenüber ganz groß 
artig und sagte, bitte schön, Sie haben da Ge 
schäfte gemacht, das geht doch nicht, das müssen 
Sie doch verstehen, Sie haben das Rathe-Steinför- 
degeschäft hinter meinem Rücken gemacht, ich wer 
de nun die Sache anders drehen. Ich bezahle mei 
ne Akzepte. Ich habe aus meine Akzepte abzüglich 
meiner Einnahmen 125 Mille bekommen, ich be 
zahle die sofort. (Ich bemerke, daß er nicht ein 
mal einen Pfennig im Sack hatte.) Ich bezahle 
alles sofort und dann wollen wir schon mal schau 
en. In diesem Moment geht mir die Geduld über, 
ich ritz den Brief vom Tisch und sagte ihm, was 
es damit für eine Bewandtnis hätte. Da sagte 
er, ja so werde die Sache nicht gemacht. Im Laufe 
des Gespräches kam ich mit Carbone, der sich 
mir und Thönh und der Landesbank gegenüber 
in einer derart gemeinen Weise benahm, kam es 
zwischen mir und.Carbone zu einem Handgemen 
ge. Ich schaute die Position Carbones nun skep 
tisch an, denn wenn ein Mensch sich dazu hergibt, 
mit Briefen irgend etwas von einem Menschen 
zu erpressen und wußte ganz genau, unter wel 
chem Druck Thönh lebte, konnte ich natürlich al 
les Mögliche voraussetzen. 
Präsident: Was stund in diesem Briefe? 
Beck: Der liegt hier bei den Akten. Es stand 
darin, daß er die Machenschaften hier bekannt 
machen werde usw. Ich war der felsenfesten Ueber 
zeugung, daß ich keine Angst zu haben brauche 
wegen den Machenschaften und ich habe das auch 
Carbone ganz offen gesagt. 
Präsident: Warum waren Sie da so aufge 
regt? ; 1 . i ; ! 
Beck: Weil es mir in diesem Brief zur Kennt 
nis gekommen ist, daß er uns effektiv belügen und 
betrügen will. 
Präsident: Er hat gedroht? . 
Beck: Nein, er gab an, 125000 Franken ge 
habt zu haben anstatt 300.000, wie er schuldig, 
war. 
Präsident: Hat Sie das so aufgeregt? 
Beck: Ja. 
Präsident: Nicht die Drohung? 
Beck: Nein, sondern die Tatsache, daß Milt 
ner mir vorher mitgeteilt hat, zu was dieser Brief 
hätte verwendet werden sollen, um weiteres Gelo 
herauszupressen aus Thönh. Diese Tatsache hat 
mich zur Raserei gebracht. 
Präsident: Wahrscheinlich war das die Dro 
hung? 
Beck: Ich habe zu Carbone ausdrücklich ge 
sagt, ich fürchte keine Drohung. Meinetwegen kön 
nen Sie aufdecken oder nicht, was Sie wollen. 
Für mich gibt es gar nichts anderes, als die 
Interessen der Bank zu wahren. Ich habe ihm 
gedroht, ich werde mich sofort mit der Kriminal-
        

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