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Religionsfreiheit 
  
bemerkt, eine begriffliche Umdeutung erfahren, da sie nichts weiter 
mehr als die Summe der Religionsäbungen der Angehôrigen der 
betreffenden Religionsgemeinschaft darstellt. 
Aufgrund welcher neuen Erkenntnisse und in welchem Umfange 
versucht nun der § des Alternativentwurfes die Religionsfreiheit in 
Diskussion zu bringen? Im Zeichen des liberalen Zeitgeistes bricht 
er mit der alten Staat-Kirche-Tradition. Er gewährleistet jedem liech- 
tensteinischen Staatsbürger die Religionsübung innerhalb der gesetz- 
ten staatlichen Schranken, hebt also die diesbezügliche Verfassungs- 
spetre für nicht-katholische Bürgec auf. Diese Bestimmung steht in 
engster Beziehung zu $ 56 des bereinigten Verfassungsentwutfes des 
vom Volke gewählten Verfassungstates!, der jedem Landesangehó- 
rigen und jedem deutschen Staatsbürger das freie Niederlassungstecht 
zuspticht, dem deutschen Staatsbürger allerdings nur unter der Vor- 
aussetzung, daB ein in Deutschland allgemein gültiges Gesetz dies 
bestimmt. Das Niederlassungsrecht ist hier nicht mehr an das staats- 
kirchliche Prinzip der Einheit von Staats- und Kirchenvolk gebun- 
den. Das Recht, sich frei niederzulassen, setzt ein gewisses Maß an 
Toleranz voraus, die die konfessionellen Schranken abbaut ?. 
Ob der Alternativentwurf die Religionsübung im weitesten Sinne, 
als private wie öffentliche erfaßt, oder ob nur jedem Bürger wenig- 
stens die private (gemeinsame häusliche) Kultusübung zugestanden 
werden soll, ist schwierig zu beantworten. Er wiederholt zwar be- 
wußt die Postulate der Zeit, skizziert sie aber — gerade was die Reli- 
gionsfreiheit anbelangt — nur bruchstückhaft. Daher ist es mübig, 
einen Interpretationsversuch zu geben, der rein hypothetischen Cha- 
rakter hätte. Aus der Sicht eines im Staatskirchentum verankerten, 
liberalen Ideen abgeneigten Staatskirchenrechts, erscheint es zumin- 
dest sehr fraglich, ob eine Statuierung der Religionsfreiheit als Ver- 
fassungsnorm je ernsthaft in Erwägung gezogen wurde. Menzinger 
selber greift in seinem Verfassungsentwurf von 1859 3 auf das staats- 
kirchliche Verfassungsgut der Zeit vor 1848 zurück. Er überträgt 
die Religionsartikel des Grundgesetzes von Hohenzollern-Sigmatin- 
gen aus dem Jahre 1833 vollumfünglich auf die liechtensteinischen 
1 A 6 und A 5/$ 36. 
2 Die Entwürfe kennen keine konfessionellen AusschlieBungsgründe. 
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