Staat und Kirche seit der landständischen Verfassung 
  
in der Folge einer vergleichenden Analyse unterzogen und auf Über- 
einstimmung mit dem schweizerischen geltenden Recht geprüft !. 
In der auffallend andersgearteten Ausgestaltung des Staat-Kirche- 
Verhältnisses kam die Diskrepanz beider Rechtsordnungen besonders 
deutlich zum Vorschein. Prinz Franz von Liechtenstein sah sich des- 
halb umso mehr veranlaßt, den damaligen Geschäftsträger Beck in 
Bern anzuweisen, eine Erkundigung über die vom Bischof vorge- 
brachten Verfassungsänderungsvorschläge ? beim politischen Depar- 
temente einzuholen, die nach stattgefundener Rücksprache als im 
Widerspruch zur schweizerischen Rechtsordnung taxiert wurden. Im 
Hinblick auf ein bevorstehendes Übereinkommen müsse mit der Móg- 
lichkeit gerechnet werden, daB eine den bischóflichen Wünschen ent- 
sprechend vorgenommene Abänderung der betreffenden Verfassungs- 
bestimmungen die Opposition gegen den «Zoll- und Justizvertrag» 
in der Schweiz verstärken könnte 3. Beck selber propagiert eine «ma- 
terielle Annäherung» des liechtensteinischen Rechtes an das schwei- 
zerische *. 
Ein solches Ansinnen scheint mir für eine entsprechende Verwirk- 
lichung eines in der Entstehung begriffenen Verfassungskonzeptes 
hinderlich und bedenklich zu sein, da die Mitberücksichtigung einer 
fremden Ordnung im Sinne einer Anpassung der eigenen leicht zu 
einer Entstellung und Entleerung der Verfassungsidee führen kann. 
Die Eigenart der historisch gewachsenen Gegebenheiten, wie sie das 
liechtensteinische Staatskirchenrecht präsentiert, wird dadurch eher 
in den Hintergrund gedrängt. 
Dieser für liechtensteinische Verhältnisse etwas befremdende Un- 
terton schweizerischen Ideengutes hinsichtlich der Stellung des Staa- 
tes zur Kirche, klingt bei der Regelung der Religionsangelegenheiten 
leise nach >. 
! So u.a. die Antwort Becks an die Regierung vom 3. August 1921, LRA 
Reg. 1921 Nr. 963. > 
? Siehe das Schreiben Becks an die Regierung vom 3. August 1921, LRA 
Reg. 1921 Nr. 963. 
3 Zitiert aus dem Schreiben Becks an die Regierung vom 3. August 1921, 
LRA Reg. 1921 Nr. 963. 
* Zitiert aus dem Schreiben Becks an die Regierung vom 3. August 1921, 
LRA Reg. 1921 Nr. 963. 
5 Vor allem bei den Verfassungsbestimmungen hinsichtlich des Erziehungs- 
und Unterrichtswesens. 
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