Staat und Kirche seit der landständischen Verfassung 
  
Maße dem Vorbilde der Frankfurter Verfassung entsprochen wird *. 
Dagegen ist die Tendenz sichtbar, sich mit Anliegen, die dringend 
einer Regelung bedürfen, auseinanderzusetzen ?. Darin kommt viel- 
leicht unbeabsichtigt ein anderer Aspekt zum Vorschein, der auf die 
Wahrung der Kontinuität mit der Vergangenheit hinausläuft. Die 
Frankfurter Forderungen, stellen für liechtensteinische Verhältnisse 
jedenfalls eine zu brüske Abkehr des Staates von der Kirche dar und 
sind daher unter diesen Umständen unrealistisch und nicht zu ver- 
wirklichen. 
Als Fazit dieser Sachlage darf gezogen werden: Eine Neubesinnung 
des gesamten Schulwesens blieb in den Anfangsstadien einer bloßen 
Konfrontierung mit den neuzeitlich-säkularen Forderungen stecken, 
so daß es nicht zu einer neuen Positionsbestimmung zwischen Staat 
und Kirche kommen konnte. Daß aber diese Möglichkeit gar nie 
ernsthaft weiter in Erwágung gebracht und in Aussicht genommen 
wurde, läßt sich auf die wenig verheißungsvollen Zustände im Lande, 
das ungestüme Drängen des Volkes nach Abschaffung der nicht mehr 
zeitgemäßen Ordnung, auf das Fehlen der wichtigsten Voraus- 
setzungen eines einigermaßen funktionierenden Schulbetriebes (Man- 
gel an Lehrpersonal) ? und nicht zuletzt auf den hartnäckigen Wider- 
stand seitens der Kirche zurückführen. 
LIT. Die Rechtsstellung des Bischofs von Chur 
Die der Staatsgewalt konkurrierende bischöfliche Gewalt, auf die 
sich die staatliche Aufsicht nicht erstrecken konnte, mußte als Fremd- 
körper im System des Staatskirchentums erscheinen. Besonders der 
Umstand, daß der Bischof einer auswärtigen Macht unterstand und 
sich zum Landesfürsten in keinem Abhängigkeitsverhältnis befand, 
fiel durch das erstarkte Staatsbewußtsein beim liechtensteinischen 
Volke schwer ins Gewicht *. Auf diese nur geduldete Ausnahme- 
stellung des Bischofs machte zudem die umstrittene Position des 
ı Ebenso GEIGER P. 118. 
2 Ausführlicher in $ 6/1I. 
3 Siehe das Schreiben der Vorsteher und Ausschußmänner sämtlicher Gemein- 
den an den Fürsten vom 24. März 1848 Ziffer 13, LRA Schädler Akt 265. 
* Vgl. etwa das Schreiben der Landstánde an den Fürsten vom 29. September 
1848, LRA Schidler Akt 301. 
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