Staat und Kirche seit der landständischen Verfassung 
  
Eine zunehmende Verflechtung von Staat und Kirche, wie es die 
nächsten Jahrzehnte verdeutlichen *, ist nichts weiteres als die Kon- 
sequenz dieser jetzt normierten Ordnung. Eine ebenso folgerichtige 
wie unvermeidliche Begleiterscheinung ist das stete Hineinwachsen 
der katholischen Kirche in eine auch das politische Leben mitbe- 
stimmende Machtposition, die der Staat anfänglich notgedrungen und 
zum Teil auch aus eigenem Interesse gefördert hat. Die Freiheitsbe- 
wegungen, die das Volk ergriffen, gereichten auch zum Nutzen der 
Kirche, die trotz staatsuntertaner Stellung auf das staatliche Leben 
immer mehr entscheidend Einfluß nehmen konnte ?. 
IV. Die Bevormundung der Kirche 
Ansatzpunkte, die eine Neuorientierung im Verhältnis des Staates 
zur Kirche ermöglicht hätten, sind am Beginn des 19. Jahrhunderts 
nicht vorhanden. Die geistigen Impulse, die die Aufklärung und der 
Josephinismus auslösten, wirken in der Gesetzgebung noch stark 
nach. Das Ehepatent Kaiser Josephs II. von 1783, das fast unverän- 
dert als 2. Hauptstück ins ABGB aufgenommen wurde ° und noch 
heute geltendes Recht in Liechtenstein ist, kann dafür als typisches 
Beispiel gelten. Es beruht nämlich auf der gallikanischen Theorie 
der Trennbarkeit von Ehevertrag und Ehesakrament * und entzieht 
der Kirche die Eheangelegenheiten. Sie beanspruchte noch 1825 die 
Ehehoheit und versuchte die staatliche Ehegesetzgebung zu ignotie- 
ren, sah sich dann aber doch gezwungen, sie dem Staate zuzuet- 
kennen >. 
Die Gesetzgebung ist nicht von einer Bevormundung der Kirche, 
wie sie das 18. Jahrhundert kannte, abgekommen. Sie verlangt auch 
von der Kirche Unterordnung unter das Staatsinteresse, indem sie 
die Kirche in den Dienst der religiósen und sittlichen Erziehung des 
Volkes stellt 5. Die Kirche wird geradezu überhüuft mit staatlichen 
Aufgaben, die sie nach Anordnung des-Staates zu erfüllen hat. Er 
U. a. B 7, 16 und 19. 
Vgl. $ 7/11. 
Vgl. Horsóck, Zivilehe 30. 
So Horsóck, Gedáchtnisschrift Marxer 115. 
Vgl. einen diesbezüglichen bei QUADERER 101 £. angeführten Fall. 
Ganz ausgesprochen klar in diesem Sinne B 7. 
an A U DD H 
  
 
        

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