Quellensammlung 
  
Zu$1 
Zu$7 
Bei der Aufnahme von Ausländern ist besonders auf Vermögen, welches 
nach bisheriger Uebung unter 300 f. R. W. an barem Gelde nicht sein 
soll, zu sehen, damit dem Lande nicht noch mehr unvermógende Leute 
zuwachsen. Da aber 300 f. für sich allein, besonders wo eine Familie mit- 
zuernáhren ist, nicht hinreichend ist, so ist auch immer nebstbei die Er- 
wetbsfáhigkeit oder deren Abgang nicht unberücksichtigt zu lassen. In 
Ermangelung hinlänglichen Vermögens muß zunächst und umso strenger 
auf Erwerbsfähigkeit und Gewerbe des Aufnahmswerbers Rücksicht ge- 
nommen werden, wodurch er sich und dem Lande nützlich werden kann, 
und solle derselbe katholischer Religion sein, weil gemischte Konfessionen 
in dem ganz katholischen Staate nicht wünschenswert erscheinen. Sollten 
bei einem Akatholiken Umstände eintreten, welche dessen Aufnahme 
besonders wünschenswert machen, so sind diese Umstände in dem gut- 
ächtlichen Berichte eigens zu würdigen, damit die fürstliche Hofkanzlei 
ihre weiteren Anträge darnach an mich richten kann. 
Es ist schon in dem Gesetze selbst bestimmt, daß Unterthanen aus deut- 
schen Bundestaaten bei Aufnahmsansuchen vor Andern zu begünstigen 
kommen, die Annahme Fremder aus anderen Staaten ist möglichst zu 
beschränken. Es sind derlei Fälle durch die Kanzlei immer mir vorzu- 
legen und bei dem Bunde nicht angehôrenden Ausländern besonders 
genaue Erkundigungen über pol. Gesinnungen einzuziehen. Bei Auf- 
nahme von Ausländern, besonders bei jenen, die nicht aus den Bundes- 
staaten kommen, hat das Amt möglichst dahin zu wirken, daß sich der 
Einwanderer auch in das Gemeindebürgerrecht einkaufe, um nach und 
nach das Unterthansverhältnis in den Gemeinden tunlichst gleichzustellen. 
Das Begehren dieses Einkaufes wird dazu sehr dienlich sein, den Fremden 
aus Nichtbundesstaaten die Aufnahme zu erschweren. 
Bei Einheirathungen von Ausländerinnen können sich leicht Fälle erge- 
ben, daß diese Akatholiken wären. Derlei Ehen, obwohl in politischer 
Beziehung nicht verboten, sind nicht wünschenswert und nur dann zu 
begünstigen, wenn sich die Akatholikin und mit ihr künftiger Ehegatte 
rechtsförmlich erklärt, daß sie die Kinder ohne Unterschied des Ge- 
schlechts in der Staats-, d. i.in der katholischen Religion erziehen lassen 
werden. Eine derlei mit àmtlichen Consense nach der Vorschrift der Ver- 
otdnung vom 14. Oktober 1804 und des Patentes vom 13. Juli 1841 ein- 
geheiratete Auslánderin wird dadurch Staatsbürgerin, die sich aber, falls 
ihr Gatte Gemeindebürger ist, in das Gemeindebürgerrecht einkaufen 
muf, damit sie bei früherem Ableben ihres Mannes in ihrem Erwerbe 
nicht benachteiligt werden möge und ihr Verhältnis in der Gemeinde 
nicht einer zweiten Verschiedenheit unterliege. 
Gemischte Ehen der Hintersässen sind, selbst wenn die obbedingte Er- 
klärung der Brautleute abgegeben werden wollte, nur dann zu gestatten, 
wenn in Bezug auf Vermögen beider Teile in künftig eigener Versorgung 
der Nachkommenschaft sich durchaus keine Besorgnisse und keine ander- 
weitigen Versagungsgründe der Bewilligung entgegenstellen, 
363 
 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.