Quellensammlung 
  
andern gróblich miBhandelt wotden, und wenn sein Leben, seine Gesund- 
heit, ein betráchtlicher Theil seines Vermögens; oder wegen schlechten 
Beispiels auch die guten Sitten in Gefahr gesetzet werden. 
$77 Die angeführten Gründe, welche einen katholischen Einwohner zur Schei- 
dung von Tisch und Bette berechtigen mógen bei andern Religionsverwand- 
ten auch zur ginzlichen Auflósung des Ehebandes hinreichend seyn; nur 
muß hier, wie in Fällen vorgegangen werden, wo die Ungültigkeit der Ehe 
behauptet witd. 
$78 Von Tisch und Bett geschiedene kónnen sich wieder eigenmáchtig vet- 
einigen; bei einer nochmaligen Scheidung aber haben sie sich so zu vet- 
halten, wie es bei det ersten votgeschrieben ist. Allein wenn das Eheband 
zweier nicht katholischer Eheleute nach ihren Religionsgrundsätzen gänz- 
lich aufgehoben worden ist, und sie sich wieder vereinigen wollen; so muß 
diess als eine neue Eheschließung angesehen werden. 
$ 79 Nichtkatholischen wird es gestattet sich wieder zu verehligen, jedoch nicht 
mit denjenigen, welche durch Ehebruch, durch Verhetzungen, oder auf 
eine andere sträflige Art die vorgegangene Ehescheidung veranlasset haben. 
$ 80 Ein geschiedenes, oder in den Wittwenstand versetztes Weib kann solange 
zu keiner zweiten Ehe schreiten, wie lange ein Zweifel über eine Schwanger- 
schaft aus der ersten Ehe obwalten kann. Eine frühere Verehligung macht 
zwar die Ehe nicht ungültig, allein die Uibertretterin soll alle von dem 
votigen Manne erlangten Votrtheile verlieren. 
$81 Wenn sich bei Gelegenheit eines Ehescheidungsgescháftes zwischen den 
Eheleuten Streitigkeiten áusern, welche sich auf einen weiter geschlossenen 
Vertrag auf die Absönderung ihres Vermögens, auf den Unterhalt der Kinder 
oder auf andere Forderungen, und Gegenforderungen beziehen, so soll 
allezeit vorláufig ein Vetsuch gemacht werden, diese Streitigkeiten durch 
güttlichen Vertrag beizulegen. Sind aber die Partheyen zu einem solchen 
Vergleich nicht zu bereden, so mu man sie auf ein ordentliches Verfahren 
bei dem Personalgerichtsstande verweisen, den Kindern aber inzwischen 
den nóthigen Unterhalt ausmessen. 
Viertes Hauptstäk: Von den Rechten zwischen Aeltern und Kindern 
$82 Aeltern sind verpflichtet ihre Kinder zu erziehen, ihnen Nahrung, Kleidung 
und Unterhalt zu verschaffen, für ihr Leben, und Gesundheit zu sorgen, 
ihre körperlichen, und geistigen Kräfte zu entwikeln, und durch Unter- 
richt in der Religion, und in nützlichen Kenntnissen den Grund zu ihrer 
künftigen Wohlfahrt zu legen. 
Aktenzeichen: LRA Faszikel G 1. 
Bemerkungen: Diesen Entwurf sandte Schuppler am 8. April 1809 an die fürst- 
liche Hofkanzlei nach Wien zur Überprüfung. Er fügt in seinem Schreiben 
(LRA Fasz. G 1 pol. 235) die Bitte an, «vorläufig aber, und in wie lange die 
Publication nicht geschehen kann,zu gestatten, daß nach denen darin aufgeführten 
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