Landeskirche und voller Staatsschutz 
  
lich aufgenommenen Kirchengesellschaften die Rechte «privilegirter 
Corporationen» zu!. Später erscheint in den bayerischen Edikten 
von 1809 und 1818 eine dieser Bezeichnung gleichbedeutende For- 
mulierung ? «öffentliche Corporationen». Den Sachgehalt dieser bei- 
den Ausdrücke erhellt die techtshistorisch fundierte Studie von Inge 
Gampl 3. 
«Privilegirte Corporation» hieB im Sprachgebrauch des ALR * so- 
viel wie bürgerlich-rechtlich rechtsfáhige Korporation, m. a. W. ju- 
tistische Person des Privatrechtes. « Óffentliche Corporation» bedeu- 
tete óffentlich aufgenommene oder durch (landesfürstliche oder kirch- 
liche) Autorität errichtete Korporation. Der Prädikatisierung « offent- 
lich» entsprach das Recht der óffentlichen Religionsausübung ?. Diese 
Zusammenhänge wurden durch die Ausbildung des öffentlichen 
Rechts zu einer eigenen Rechtsdisziplin und durch die Ausformung 
der Körperschaft zu einer eigenen Institution des öffentlichen Rechts 
verwischt. Die öffentliche Körperschaft ist das Resultat politischer 
Auseinandersetzungen zwischen Bürgertum und absolutem Staat und 
hatte zu Ende des 19. Jahrhunderts bereits festen Bestand neben der 
eigentlichen Staatsverwaltung erlangt. Anfünglich waren die beiden 
Begriffe «óffentlich» und «staatlich» noch identisch. Die privilegierte 
Korporation stellte lediglich eine «Veranstaltung des Staates» dar”. 
Das änderte sich grundlegend, als um die Mitte des 19. Jahrhun- 
derts die systematische Ausbildung des Selbstverwaltungsbegriffes 
einsetzte und ein óffentlicher Bereich sich auszusondern begann, ohne 
mit dem staatlichen — wie früher — noch zusammenzufallen. Die Ab- 
lósung des Staatskirchentums durch das System der staatlichen Kir- 
chenhoheit bewirkte ein Auseinanderfallen von Staat und Kirche. 
Die Kirche ist nicht mehr Staatsanstalt. Den wesentlich staatsbezogenen 
Kórperschaftsbegriff den Kirchen weiterhin aufzuzwángen und sie 
mit den weltlichen Körperschaften oder anderen unbedeutenden 
1 TT. Teil 11. Titel $ 17. 
2 So MARTENS 36; WEBER H. 52. 
3 Die Rechtsstellung der Kirchen und ihrer Einrichtungen nach österteichi- 
schem Recht. 
4 Siehe Gamer, Rechtsstellung 40; vgl. auch FORSTHOFF, Körperschaft 22 
mit Literaturnachweisen. 
5 So auch Kanr, Lehrsystem 336. 
$ FonsrHorr, Kórpetschaft 22. 
7 FonsrHorr, Körperschaft 22; vgl. auch MARTENS 38. 
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